Alexandra

- © Koch Universal Music
Eigentlich passte Alexandra so gar nicht in eine Zeit, die romantische Gefühle verachtete und als überflüssige Sentimentalitäten belächelte. Und dennoch wurde in ihrer Person, in ihren Liedern et-was von jenen geheimen Sehnsüchten offenbar, die unversehens die viel bespöttelte blaue Blume der Romantik zum Vorschein kommen lassen. Man nannte sie den "Senkrechtstarter" im deutschen Showgeschäft, deutsche und österreichische Kritiker erwählten sie zur "beliebtesten Sängerin". Sie machte eine Tournee mit Adamo, erkor Udo Jürgens zum Komponisten des selbstgetexteten Er-folgschansons "Illusionen" und erklomm mit ihrer LP "Sehnsucht - ein Porträt in Musik" in Windeseile die Hitparaden. Viele weitere Hits und Evergreens folgten. Ein erstaunliches junges Mädchen: Gra-zil, mondän, mit einem Stich ins Romantische. Ein Autounfall beendete am 31. Juli 1969 ihr kurzes Leben. Doch die Legende dieser genialen Musikerin mit der einzigartigen tiefen Stimme lebt bis heute weiter.
An einem Dienstag, dem neunzehnten Mai 1942, wurde Doris Treitz (Alexandra) in Heydekrug, im schönen Memelland, geboren. Nach der Flucht vor der Roten Armee wuchs sie im hohen Norden Deutschlands auf. Ihre Kinderjahre verbrachte sie in Kiel und Hamburg. Mit 17 besuchte sie nicht nur die Meisterschule für Mode in Hamburg, sondern arbeitete auch in einem Hamburger Hotel als Zimmermädchen, um sich u.a. die erste Gitarre kaufen zu können. Kaum konnte sie die ersten Ak-korde greifen, komponierte und textete sie auch schon. Später arbeitete sie als Stenotypistin in ei-nem Hamburger Verlag und dann als Sekretärin in einer hanseatischen Speditionsfirma. Mit 19 Jah-ren lernte sie den aus Russland stammenden und 30 Jahre älteren Nikolai Nefedov in Hamburg kennen. Mit ihm wollte sie nach Amerika auswandern. Als sie 20 Jahre alt war schenkte sie ihrem Sohn Alexander das Licht der Welt. Doch schon ein Jahr später ging die Ehe in die Brüche. Nikolai Nefedov wanderte alleine in die USA aus. Alexandra aber blieb in Deutschland.
Alexandra träumte schon lange von einer Karriere als Sängerin oder Schauspielerin und besuchte aus diesem Grund eine Schauspielschule. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie als Zeichne-rin. Während Alexandra zur Schule ging, versorgte ihre Mutter den Jungen. Nach drei Jahren Mar-got-Höpfner-Schauspielschule wurde sie sofort an einem Theater in Neumünster engagiert. Außer-dem unterschrieb Alexandra einen Vertrag bei dem Schallplattenproduzent Fred Weyrich und kein geringerer als Hans R. Beierlein wurde ihr Manager. Der kometenhafte Aufstieg der Sängerin be-gann. Mit fünfundzwanzig Jahren hatte sie ihren ersten Hit: "Zigeunerjunge". "Sehnsucht" folgte und war ihr zweiter großer Erfolg. Auch das Ausland wurde bald auf das hübsche Mädchen mit der tie-fen, farbigen Stimme und der ungewöhnlichen Ausstrahlung aufmerksam: Adamo, Gilbert Becaud und Yves Montand traten mit ihr zusammen auf.
1969 zog sie von Hamburg nach München in eine Wohnung in München-Nymphenburg um. Sie fuhr ihr erstes großes Auto, ein weißes Mercedes-Coupe. Am Donnerstag, den 31. Juli 1969 kommt es zu einem verhängnisvollen Unfall: Die Sängerin war mit ihrer Mutter Wasselewska Treitz-Nefedov und ihrem sechsjährigen Sohn Alexander auf der Fahrt in die Ferien nach Sylt, als ihr Wagen auf ei-ner Kreuzung mit einem Lastzug zusammenstieß. Etwa 30 Meter wurde ihr Mercedes mitgeschleift. Alexandras Mutter wurde aus dem Wagen auf eine Wiese geschleudert. Die Mutter starb kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Der Gesangsstar selbst lag tot im Wagen. Sohn Alexander kam mit Wunden an den Armen davon.
Alexandra wurde nur 27 Jahre alt...



