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Fischer Chöre

Fischer Chöre

Gotthilf Fischer ist schon zu Lebzeiten zur musikalischen Legende geworden! Wer kennt nicht den Mann, der den weltberühmten Fischer-Chören seinen Namen gegeben hat?

Neben Franz Beckenbauer und Boris Becker ist er weltweit einer der bekanntesten Deutschen – und das nicht ohne Grund. Gotthilf Fischer darf die bedeutendsten Namen der musikalischen Welt zu seinen Freunden zählen, kann Geschichten über fast alle zeitgenössischen deutschen Politiker erzählen und hat in seinen 75 Lebensjahren jede Menge Anekdoten, nette Begebenheiten und nachdenklich-machende Situationen erlebt. Nebenbei hat er Millionen von Menschen mit seinem Wirken Freude in die Herzen gebracht!

Mit seiner Philosophie „Singen ist die Antwort“ überzeugte er von Herbert von Karajan über Robert Stolz bis hin zu Carl Orff alle, die irgendwann einmal seinen Weg kreuzten. Alt-Bundespräsident Walter Scheel sang mit ihm aus voller Kehle „Hoch auf dem Gelben Wagen“, Fürst Rainier III. von Monaco empfängt ihn sogar im „Sommerfrischler-Look“ und für König Carl Gustav und Königin Silvia von Schweden hat er zur Hochzeit das Lied „Die Krone der Liebe“ komponiert.

US-Präsident Jimmy Carter empfängt Gotthilf Fischer zu einer Privataudienz und nimmt aus seinen Händen die ihm zu Ehren komponierte „Friedensmesse“ entgegen. Für Papst Paul VI. schreibt Fischer einen Choral, der von den Fischer-Chören im Jahr 1975 im Petersdom in Rom uraufgeführt wird.

Nein, Gotthilf Fischer hat keine Angst vor „großen Tieren“, ist ein lebensbejahender Mann, der für viele Späße zu haben ist und durch seine offene und frische Art die Menschen in seinen Bann zieht. Natürlich ist der „Remstal-Krajan“, wie er auch genannt wird, stolz auf seine Erfolge. Doch darüber hat er seine Bodenständigkeit, seinen Sinn fürs Wesentliche und seine sympathische Art kein bisschen eingebüßt!

Doch wer ist eigentlich dieser Mann, der mit seiner Ausstrahlung seit fast sechs Jahrzehnten Alt und Jung fasziniert und für das Deutsche Volkslied zu begeistern vermag?

Gotthilf Fischer wird am 11. Februar 1928 in Deizisau im Schwäbischen geboren. Die Liebe zur Musik wird ihm vom Vater mit in die Wiege gelegt, der im heimischen Gesangverein aktives Mitglied ist. In frühester Jugend erlernt Gotthilf schon die ersten Instrumente (trompete und Trommel) und entdeckt sein musikalisches Gespür. Mit der Leitung eines ersten Schulchores merkt der junge Gotthilf, dass er Menschen zu dirigieren vermag, dass er bei seinen Sängerinnen und Sängern Begeisterung für die Musik weckt. Während des Krieges wird der musikalische Schwabe zu Hilfsarbeiten herangezogen und muss Schutzwälle ausheben. Bei den immer wieder kehrenden Bombenangriffen animiert er seine Kameraden zum Mitsingen. Damals schon war für Gotthilf Singen die Antwort – die Antwort auf die Angst.

Nach dem Abschluss der Lehrerbildungsanstalt ist Gotthilf jüngster Lehrer im Bundesland Baden-Württemberg und übernimmt nebenher den heimischen Gesangverein. Ein zweiter Chor kommt hinzu, ein dritter, ein vierter. Als die Chöre bei einer großen Veranstaltung zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen, sucht man nach einem Namen und bleibt beim Naheliegenden: „Die Fischer Chöre“ sind geboren.

1949 schrieb die Neckarpost nach dem ersten öffentlichen Auftritt: „Es ist eine Freude, den begabten Leiter der Chöre bei seiner Arbeit zu sehen. Was dieser junge Dirigent versteht, aus seinen Sängern herauszuholen, ist erstaunlich. Selbstsicher, mit einer beglückenden Ruhe, steht er vor ihnen, auswendig dirigierend. Sein suggestiver Blick zwingt in den Bann seiner Bewegungen, die seinen Willen übertragen.“

Gotthilfs Art, Menschen zu begeistern, zum Singen zu animieren macht Schule, immer mehr Chöre interessieren sich für den begabten Chorleiter und die Fischer-Chöre bekommen immer mehr Zuwachs. Gotthilfs Devise heißt: „Singen macht frei. Löst Spannungen, bringt Verständigung. Singen heißt atmen, sich äußern (...).Das kann jeder für sich alleine tun, das kann man in der Gemeinschaft...“ Doch auch in der Gemeinschaft muss es Spaß machen, freiwillig geschehen und ohne Zwang funktionieren.

Vielleicht ist die Tatsache, dass Spaß und Geselligkeit bei den Fischer-Chören auch immer mit an vorderster Stelle standen, das große Geheimnis. Der „Sunnyboy aus Deizisau“, wie er freundlich genannt wird, ist den geselligen Momenten des Lebens durchaus zugetan und weiß um deren verbindende Wirkung. Hier zitiert Fischer gerne den großen Pädagogen Pestalozzi: „Humanität und Musik gehören zusammen – wo eines fehlt, da fehlt das andere“.

Die Fischer-Chöre gehen ihren Weg. Auf die ersten großen Auftritte folgen erste Schallplatten- und Fernsehaufnahmen, die Bekanntheit wächst und wächst schnell auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Sog „Freundeskreise“ der Fischer-Chöre bilden sich, die sich neben den Stammchören den selben Zielen verschrieben haben. Heute ist es kaum mehr möglich festzustellen, wie viele Mitglieder die Fischer-Chöre nun eigentlich zählen. Wenn Der Chorleiter gefragt wird, antwortet er: „Tausend? Zehntausend? Hunderttausend? Noch mehr? Ich weiß es nicht!“

Auszeichnungen und Ehrungen mehren sich – heute kann Gotthilf Fischer die goldenen Schallplatten, Medaillen und Trophäen gar nicht mehr alle aufzählen. Doch einer der wirklichen Höhepunkte seines musikalischen Lebens war neben den Reisen nach Rom und in die USA zum Amerikanischen Präsidenten sicherlich der Auftritt im Münchner Olympia-Stadion bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974. Vor dem legendären Endspiel Deutschland – Holland erlebten über eine Milliarde Menschen an den Fernsehgeräten die Darbietung der berühmten Fischer-Chöre! Für Gotthilf Fischer und seine Chöre war dies der internationale Durchbruch, der ihnen vor allem in Japan und Russland viele neue Freunde bescherte.

Die Fischer-Chöre betätigen sich auch gerne als Benefiz-Chöre. Das Singen für einen guten Zweck ist eine Selbstverständlichkeit. Fischer versteht seine Tätigkeit auch als Dienst an der Allgemeinheit. Er hilft nicht nur mit Geld, sondern auch und vor allem mit seinen Liedern. Die Fischer-Chöre wollen unterhalten – einerseits. Andererseits sieht Fischer seine Berufung aber auch darin, die Leute zum Mitsingen zu bewegen. „Schließlich hat jeder Mensch eine Stimme – und das nicht nur bei Wahlen. Die Menschen warten förmlich darauf, mitsingen zu dürfen!“ Nicht umsonst findet die von ihm initiierte „Sing-mit-Bewegung“ so regen Zuspruch!

Hat Gotthilf Fischer denn seinen Traum verwirklichen können? Er träumte von Größerem: „von Chören mit einer Klangwirkung, die wie ein Flirren von Noten in der Luft sein sollte, einem Rausch von Tönen, erzeugt von Hunderten von Einzelstimmen, die sich in der Harmonie finden.“ Dieser Traum ist sicher wahr geworden.

Doch Ziel seines Schaffens war und ist auch, den Menschen das Deutsche Volkslied wieder näher zu bringen. „Andere Länder schätzen ihr althergebrachtes Liedgut viel mehr, überall in der Welt. Und überall in der Welt, wo Deutsche leben, gilt auch das deutsche Volkslied viel mehr als hier bei uns. Ich will es bei uns wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen bringen, besonders der jungen Menschen....“ – Damit ist man wohl auch nach 75 Jahren noch nicht fertig...

Website:
http://www.gotthilf-fischer.de

Quelle: Koch Universal Music