23.04.2012 10:07:18

Christian Franke & Edward Simoni: "Leben", VÖ: 27.04.2012

Versetzen wir uns einmal genau 30 Jahre zurück: Zum Jahreswechsel 1981/82 macht ein damals 25-jähriger Sänger mit einem Hit auf sich aufmerksam, der nicht nur die Top 10 entern, sondern auch Jahrzehnte später noch als Klassiker gelten sollte: Christian Franke, der Mann mit der Ausnahmestimme, war mit seinem Titel „Ich wünsch dir die Hölle auf Erden“ über Nacht zum Star geworden: Goldene Stimmgabel, Dauergast in TV-Sendungen und Auftritte in der ganzen Republik. Im selben Jahr folgten zwei weitere veritable Hits und in den 80ern ging es auch noch ein paar Jahre weiter mit der musikalischen Karriere des gelernten Großhandelskaufmanns. Doch mit der Zeit verlief sich der Erfolg.

Das Interesse von Veranstaltern, Produzenten, Medien und Publikum riss ab, die Hits blieben aus, es wurde still um Christian Franke. Und das Schicksal meinte es auch weiterhin nicht allzu gut mit ihm: Eine schwere Erkrankung ließ ihn fast erblinden, es folgten unzählige Operationen über acht Jahre hinweg. Zwar war das irgendwann durchgestanden, doch die Comeback-Versuche brachten nicht den gewünschten Durchbruch; er tingelte durch Festzelte und Nostalgieveranstaltungen. Es ist sicher nicht despektierlich zu sagen, dass die meisten ihn wohl schon in der Kategorie „One Hit Wonder“ einsortiert hatten. Möglicherweise hatte auch er selbst innerlich schon einen Haken hinter seine Sangeskarriere gesetzt. Dass er eines Tages wieder in großen Hallen auftreten, gern gesehener Gast in Fernsehgalas sein und nochmal einen Top-50-Hit landen würde (in dessen Video gar Heiner Lauterbach die Hauptrolle spielt) – das hätte er sich sicher im Traum nicht einfallen lassen.


Doch das Leben geht manchmal erstaunliche Wege, denn genau so kam es! Durch die Vermittlung eines Schlagerredakteurs, der fasziniert einen seiner Gigs gesehen hatte, lernte Christian Franke den Erfolgsproduzenten David Brandes kennen. Auch er war gefesselt von der ungebrochenen Stimmgewalt des gebürtigen Nürnbergers und nahm ihn unter seine Fittiche. Es folgten erste Erfolge in den Radiocharts, die Single „Geh nicht fort (Guardian Angel)“ konnte sogar kurzzeitig die Media Control Charts entern, aber erst in dem Moment, als der Produzent ihn mit dem Panflöten-Virtuosen Edward Simoni zusammenbrachte, brach der Erfolg über das Duo herein: Nach „Lass sie nie wieder los“ wurde ihr Titel „Der Apfelbaum“ zu einem der großen Schlagererfolgstitel des Jahres 2011. Der Titel, der auf ein Martin Luther zugeschriebenes Zitat zurückgeht („Auch wenn
ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“), schlug nicht nur in den Radiocharts ein; er schoss auch in die Verkaufscharts und das Video mit Heiner Lauterbach in der Rolle des fürsorglichen Vaters berührte hunderttausendfach im Internet.

Spätestens da war klar, dass dieses Dreamteam fortan gemeinsame Wege gehen würde. Christian Franke lieh den melodiereichen Kompositionen seine 4½-Oktaven-Stimme, Edward Simoni spielte nicht nur Pan- und Querflöte, sondern auch Klavier, Keyboard, Geige und Percussion. Bei all seinen bisher 21 veröffentlichten Alben konnte man ihn noch nie in dieser Vielseitigkeit erleben – als virtuosen Multi-Instrumentalisten. Der in Bytom, Oberschlesien, geborene Instrumentalist absolvierte schon als Kind Geigen-, Klavier- und Querflötenunterricht. Es war jedoch ein anderes Instrument, das ihn berühmt machte: die Panflöte. Diesem Instrument, das ihn in jungen Jahren so sehr fasziniert hatte, dass er es autodidaktisch erlernte, verdankte Edward in den 90er Jahren Gold- und Platin-Auszeichnungen, Auftritte auf der ganzen Welt und das Attribut „Magier der Panflöte“.

„Leben!“ nennt sich das erste gemeinsame Album des Hit-Gespanns. Darauf enthalten sind nicht nur bereits aus dem Rundfunk bekannte Single-Erfolge wie „Doch schweigen werd ich nicht“, „Weil wir lieben“ oder „Wenn du jetzt gehst“. Neben „Der Apfelbaum“ hat das Team Brandes/Meinunger/Brinkmann ein weiteres berühmtes Zitat in einem extrem hitverdächtigen Song verarbeitet: „Wer immer an der Küste bleibt, wird nie einen neuen Ozean entdecken“, soll einst Weltumsegler Fernando Magellan gesagt haben. Auch wenn ihn sein Mut letztlich das Leben kostete, so bleibt sein Plädoyer, den Blick über den Tellerrand zu wagen und den eigenen Horizont zu erweitern, doch weiterhin gültig.

Hitverdächtig auch der Disco-Kracher „Angel Eyes“ über den gleichnamigen unschuldigen Vamp, von dem man wohl nie erfahren wird, ob dieser ‚Engel mit den Eisaugen‘ die Männer nicht nur um den Verstand bringt... Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen sind dabei durchaus gewollt. Gerade solche Titel sind es, die „Leben!“ so wertvoll machen, zeigen sie doch, dass es auch abseits von Klischeetexten über Liebe und Leid möglich ist, in diesem Genre Inhalte zu transportieren, ohne die Eingängigkeit, ja Tanzbarkeit der Lieder aus dem Auge zu verlieren. Als absolute Perle entpuppt sich jedoch der musikalisch traumhaft in Szene gesetzte Titelsong „Ich habe gelebt“, eine zeitlose Liebeserklärung voll stiller Hingabe und gereifter Lebenserfahrung, die gerade durch Christian Frankes feinfühlige Interpretation vom ersten bis zum letzten Ton für Gänsehaut sorgt. Von diesem grandiosen Opener bis zur Trost spendenden Abschlussballade „Tränen in der Nacht“ ist Christian Franke & Edward Simoni ein abwechslungsreiches und interessantes Juwel gelungen, das wohltuend aus dem bekannten Schlager-Einerlei herausragt. In Fankreisen und Internetforen wird seinem Erscheinen schon lange entgegengefiebert, auch weil wieder einmal drei spezielle ‚Extended Versions‘ darauf enthalten sein werden.

Quelle: Sonymusic