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21.10.2014 07:00:32

Definition - Was ist eine bayrische Tracht?

Gamsbart
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Zum Oktoberfest ist sie in München überall zu sehen: Die Traditionsbekleidung mit Namen Tracht. Es gibt zur Eröffnung der Feierlichkeiten einen Trachtenumzug von der Innenstadt hin zum Festplatz, bei dem Touristen wie Anwohner die verschiedenen Kleidungsstile bewundern können. Doch was ist das eigentlich - eine Tracht?

 

Otoberfest
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Zum Oktoberfest gehört die Tracht dazu - doch nur wenige wissen, was genau diesen Kleidungsstil eigentlich ausmacht

 

Die Definition einer oberbayrischen Tracht gibt das Dirndl für die Frau und die Lederhose nebst Trachtenhemd und Haferlschuhe für den Mann vor. Dieser Kleidungsstil hat sich am stärksten in der allgemeinen Wahrnehmung der Bevölkerung durchgesetzt - eine direkte, bayrische Tracht, die in dem gesamten Land gilt, gibt es aber nicht. Die verschiedenen Regionen unterscheiden sich in den Farben und Verzierungen, heutzutage wird darauf aber oft kein Wert mehr gelegt. Wichtig ist den Bayern nur, dass die Tracht nicht mit der Landhausmode gleichgesetzt wird - während ersteres eine lange Tradition in der Geschichte des Landes hat, ist das zweite nur eine Mode, die durch den Verzicht synthetischer Materialien in Kleidungsstücken entstanden ist.

 

Die Geschichte der Tracht

 

Maximilian II
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Maximilian II förderte die ländliche Tradition des Tragens einer Tracht

 

Dieser bestimmte Kleidungsstil entwickelte sich im Laufe der Zeit unter anderem in Bayern. Beinahe jede Landbevölkerung einer Region hatte damals einen bestimmten Kleidungsstil - vor allem die aus den Bergen stammenden Dirndl und Lederhosen haben sich aber bis in die heutige Zeit gehalten. Zum Teil liegt dies an König Maximilian II., der die ländliche Tracht im 19. Jahrhundert förderte. Mit deren Verbreitung wollte das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher die Hebung des bayrischen Nationalgefühls erreichen. Zwei Ziele waren dafür laut planet-wissen.de ausschlaggebend: Das Selbstbewusstsein der Untertanen gegenüber den Preußen sollte gestärkt werden und das Vermeiden von Unruhen durch das Zugeständnis an die Traditionskleidung. Maximilian II. ist außerdem der erste König von Bayern, der selbst eine Tracht trug. Könige gibt es heutzutage schon lange nicht mehr, aber die Tradition hat sich trotzdem erhalten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahmen Trachtenvereine statt der Könige die Pflege der Tradition. Bis heute forschen sie in diesem Bereich, um die regionalen Unterschiede herauszufinden und vor allem, um die Kleidungsart lebendig zu erhalten. Viele Bayern holen zu besonderen Feierlichkeiten, wie einer Hochzeit oder einem runden Geburtstag, bis heute ihre Tracht aus dem Schrank - sie ist daher nicht nur auf dem Oktoberfest anzutreffen, sondern zu ganz unterschiedlichen Anlässen in dem Bundesland.

 

Was gehört zur Tracht?

 


Gamsbart
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Der Gamsbart ist ein traditioneller Hutschmuck für Trachtentragende Männer

 

Männer wie Frauen haben bestimmte Vorgaben, was zur Tracht gehört. In den Farben und Verzierungen unterscheiden sich die einzelnen Stile der Regionen - es gibt aber einige Regeln, auf die bei jeder Traditionskleidung geachtet wird, beschreibt bayern.by. Die Männer tragen immer Lederhose, Kniestrümpfe, Trachtenhemd, Trachtenjancker oder-weste, Haferlschuhe und einen Hut mit Gamsbart oder Feder. Ein verziertes Trachtenmesser, der Hirschfänger, und Hosenträger sind allerdings regional bestimmt und gehören nicht zu jeder Tracht. Ein Gamsbart ist Hutschmuck aus zusammengebundenen Gamsbockhaaren. Die meist helleren Spitzen sind charakteristisch hierfür. Der Hutschmuck kann sehr groß ausfallen, oder einfach nur ein kleines Detail darstellen - die unterschiedlichen Regionen und heutzutage vor allem die persönlichen Vorliebe spielen dabei eine Rolle. Haferlschuhe sind eine ganz besondere Schuhvariante, die sich als Arbeitsschuhwerk der Bevölkerung in den Alpen herausgebildet hat. Auch hier zeigen sich regionale Unterschiede: bei der oberbayrischen Variante verläuft die Schnürung an der Seite, beim Allgäuer Stil ist eine herkömmliche Ristschnürung vorhanden. Die Lederhose ist ein Kleidungsstück, für das es verschiedene Längen gibt: Die Kniebundhose oder die kürzere Variante, die oberhalb des Knies endet. Generell können sich Männer die Länge aussuchen, die ihnen am ehesten zusagt. Hierbei sollte aber auf die Statur der Beine geachtet werden: Bei sehr schlanken und untrainierten Waden ist eher eine Kniebundhose angebracht, damit nicht der Eindruck von Storchenbeinen in der kurzen Hose entsteht.


Die Tracht besteht aus verschiedenen Einzelteilen für Männer wie Frauen

 

 
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Frauen können Dirndl in verschiedenen Farben und Stilen tragen, wenn sie sich nicht an einer bestimmten Region orientieren

 

Die Frau hat nicht weniger Varianten bei der Auswahl ihrer Tracht. Das Dirndlkleid nebst Bluse und Schürze kann sehr gut variiert werden. Bei den Schuhen sind die Damen übrigens freigestellt - früher trugen sie allerdings eher flaches als hohes Schuhwerk. Das Kleid gibt es entweder in einer zweigeteilten Variante mit Rock und Mieder oder als einteiliges Kleidungsstück. Das Mieder endet in den meisten Regionen traditionell unter der Brust, wodurch ein schönes Dekolleté begünstigt wird. Bei der Bluse kann eine hochgeschlossene aber auch eine eher freizügige Ausschnittvariante gewählt werden - welche Form am besten zu einem passt, ist am besten durch Betrachtung der eigenen Kopfform sowie der Ober- und Schulterweite festzustellen. Auf klingel.de findet sich eine anschauliche Erklärung zu den verschiedenen Ausschnittmöglichkeiten und deren optischen Auswirkungen auf die Figur. Die Länge des Rocks ist außerdem frei zu wählen, wenn sich nicht an eine bestimmte Region orientiert werden soll. Auf dem Dirndlguide finden sich Hinweise, bei welcher Figur welche Rocklänge am vorteilhaftesten ist. Die Schürze ist ein weiterer Punkt, der Aufmerksamkeit bedarf. Diese sollte bei einem gemusterten Dirndl einfarbig sein, bei einem einfarbig gehaltenen Kleid kann sie entweder eine Farbe oder ein Muster aufweisen. Ist die passende Schürze ausgewählt, ist die Schleife richtig zu binden. Anders als bei Küchenschürzen wird sie nicht nach hinten oder vorne, sondern an die Seite gesetzt, um den Männern direkt eine Botschaft mitzugeben: Links gebunden bedeutet, die Frau ist noch zu haben, rechts vergeben oder verheiratet.

 

Der heutige Trachtenboom

 

Dirndl
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Dirndl von der Stange zu günstigen Preisen sind momentan noch häufig zu finden - der Boom soll laut Experten aber nachlassen

 

Eine Tracht ist, kurz gesagt, das Dirndl für die Frau und die Lederhose für den Mann. Seit den 90erJahren gibt es einen regelrechten Trachtenboom, der zur Folge hatte, dass nicht nur hochwertige und traditionell korrekte Kleidungsstücke verkauft wurden, sondern die Mode auch Einzug in die Discounter und größeren Modeketten hielt, die ein Dirndl und eine Lederhose nicht für mehrere hundert Euro verkaufen, sondern weit unter diesem Preis liegen. Für viele waren diese „Billig-Trachten“ ein Einstieg in den höherwertigen Bereich. Mittlerweile setzt sich das Traditionsbewusstsein wieder durch - die Käufer scheinen laut diesem Bericht die Lust an den günstigen Kleidungstücken zu verlieren und sich entweder gar keine zu kaufen oder auf hohe Qualität Wert zu legen. Ob der Trachtenboom aber wirklich verebbt, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen - immerhin sind die Kleidungsstücke zumindest für die Bayern ein Stück Geschichte. Experten erwarten laut dem erwähnten Bericht eine Fortsetzung der Karriere des Dirndls und der Lederhose - nur eventuell nicht mehr auf der Wiesn, sondern eher zu besonderen Anlässen, wie dies von der Bevölkerung in Bayern heutzutage schon gehandhabt wird.

 

Quelle: seo2b GmbH 
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