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22.12.2012 07:00:35

Rolf Zuckowski: "In der Weihnachtsbäckerei" – so ist das Lied entstanden!

Foto: 
M. Gamper

Leider hat der Sänger und Liederschreiber Rolf Zuckowski (65), den viele Generationen kennen und lieben lernten und dessen Lieder, wie z.B. "In der Weihnachtbäckerei" oder "Wie schön, dass du geboren bist" Kultstatus erreicht haben, seinen Abschied von der Bühne bekannt gegeben. Carsten Kämmerer hatte noch einmal die Möglichkeit ein Interview mit Rolf Zuckowski zu führen und spricht mit ihm über Ruhestand, Castingshows und Weihnachten im Hause Zuckowski.

Lieber Rolf, glaubst Du Dir wird der "Unruhestand", wenn man das überhaupt so nennen darf, bekommen?

Ich bin weit vom Ruhestand entfernt und möchte noch einiges in meinem Leben bewegen, vor allem mit jungen Leuten, denen ich als Berater und Förderer zur Seite stehen möchte. Dazu gehört auch, dass ich ihnen beim Angebot für große Musikshows nicht selber im Wege stehen möchte. Mein Repertoire erklingt inzwischen in vielen Interpretationen, es hat in großen Teilen eine eigene Kraft entfaltet, über die ich sehr glücklich bin. An weiteren, spannenden Umsetzungen meiner Lieder mit anderen Interpreten arbeite ich bereits. Besser: Ich lasse daran arbeiten.
Der Freundeskreis, der nun weitgehend richtig "in Rente" gegangen ist und die Familie sollen zukünftig aber auch mehr im Vordergrund für mich stehen. Die Balance zu finden zwischen meinen beruflichen Ambitionen und meinen Herzensangelegenheit ist die Herausforderung der kommenden Jahre.

Was rätst Du jungen Menschen, die wie Du ins Showgeschäft starten möchten?

Vor einem überschaubaren Publikum live herausfinden, wo die eigenen Stärken liegen, was man intensivieren und was man lieber sein lassen sollte. Vielseitigkeit, das Agieren auf mehreren künstlerischen Spielfeldern kann sehr gesund sein für einen langen, befriedigenden Weg durchs Musikleben auf der mittleren Ebene, eine Fokussierung auf eine besondere Stärke kann zum ganz großen Erfolg führen, der allerdings auch immer die Gefahr der Stigmatisierung und Einengung der Entfaltungsmöglichkeiten mit sich bringt. Es gilt also, sich zu entscheiden, am besten mit wirklich guten Freunden aus der Musikszene.
 
Verrätst Du uns, was Du von Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Voice of Germany" hältst? Echte Chance oder eine "Zurschaustellung"?

Ich kann mich mit diesen Formaten nicht anfreunden, auch nicht mit den sanfteren Formen. Natürlich schaue ich trotzdem schon mal hinein und habe mich gerade sehr über die Ausnahmeerscheinung "Mrs. Greenbird" als Sieger bei "The X-Factor" gefreut. Generell komme ich aber nicht von dem Eindruck los, dass hier die Musik und die jungen Talente nur Mittel zum Zweck für die Erzielung einer hohen Einschaltquote bei der werberelevantesten Zielgruppe sind. Wahre Verantwortung für ein Talent geht längere, subtilere Wege, auch steinige, denn Ruhm um seiner selbst willen ist nichts wert. Ich will damit den Teilnehmern an diesen Shows nicht absprechen, das sie wissen, worauf sie sich einlassen und das große Abenteuer im Scheinwerferlicht wenigstens einmal erleben möchten. Die größeren Zweifel kommen mir bei den Gedanken an die jungen Zuschauer, die völlig falsche Maßstäbe von Erfolg und Qualität in den Kopf bekommen. Die Bedeutung guter, originaler Songs und Lieder mit bewegenden Botschaften steht viel zu diffus im Hintergrund der Interpretenwahl.

Rolf Zuckowski


Welche Projekte, quasi aus dem Hintergrund, sind als nächstes geplant?

Bereits erschienen ist die CD "Ausm Häuschen" von der Hamburger Hip-Hop-Formation "Deine Freunde". Dafür habe ich mit der Universal Music das neue Label "noch mal!!!" gegründet. So wie bei "Deine Freunde" wollen wir auf diesem Label innovative Musik für größere Kinder veröffentlichen, ideenreich und immer auf der Seite der Kinder und Eltern. Eine weitere Produktion von "Deine Freunde" ist in Vorbereitung, ein weiteres Newcomer-Thema ebenso. Hinzu kommen weihnachtliche Produktionen mit neuen Künstlern auf "Musik für Dich", auf die ich mich sehr freue, nicht zuletzt auch wegen einiger Remakes meiner Songs.

Deine CD "Winterkinder" wurde beim Adventsfest der 100.000 Lichter von Florian Silbereisen als meistverkauftes, deutschsprachiges Weihnachtsalbum ausgezeichnet. Was bedeutet Dir solch eine Auszeichnung?

Dieser Guinness-Award war schon eine tolle Überraschung, geheim bis zum letzten Moment vor der Kamera. Ich freue mich darüber, mehr aber über das landesweite Singen und Aufführen meiner Lieder in zahllosen Chören, Schulen und Kindergärten.

Rolf Zuckowski In der Weihnachtsbäckerei

Die "Weihnachtsbäckerei" fällt, fragt man nach den traditionellsten und schönsten Weihnachtsliedern, in einem Satz mit "Stille Nacht" oder "O Tannenbaum". Kannst Du Dich noch daran erinnern, was Dich inspiriert hat dieses Lied zu schreiben?

Sogar sehr genau: Es war Anfang Dezember im Jahr 1986. Ich telefonierte nach einem Konzert in NRW, vermutlich Bochum, mit meiner Familie (mein erstes, gemietetes Autotelefon). Es hieß: "Wir backen Plätzchen". Meine Gedanken blieben während der ganzen Heimfahrt bei den backenden Kindern und meiner Frau. Als ich zu Hause ankam, waren die Plätzchen fertig und mein Lied auch, ich hatte es mir während der Fahrt ausgedacht. Mein Sohn Andreas, damals knapp drei Jahre alt, sang das neue Lied sofort auf dem Weg ins Bettchen. Er veränderte die Melodie aber so, dass die Schlusszeile des Refrains auch der Anfang des Liedes wurde. So ist es geblieben, und ich bin dem kleinen Mann bis heute dankbar dafür,

Und heute, wo Deine Kinder Anuschka, Alexander und Andreas groß sind? Wie feiert man nun Weihnachten im Hause Zuckowski?

Die "kleine Familie", also Anuschka mit ihrem Mann und den drei Enkelkindern, feiert am späten Nachmittag eine eigene Bescherung. Am frühen Abend kommt dann die Familie zusammen und singt, Hand in Hand vor dem Tannenbaum, traditionelle Weihnachtslieder wie "O Tannenbaum" und "O du fröhliche". Dann wird Päckchen für Päckchen die gemeinsame Bescherung zelebriert. Dazu erkling traditionell seit Jahrzehnten der Kinderchor des NDR unter der Leitung von Erich Bender, von einer schönen, alten Schallplatte. Der Abend klingt nach einem Fleisch-Fondue aus mit Spielen und Geschenke anschauen. Im Hintergrund laufen dann die Instrumentalaufnahmen unserer eigenen Lieder, zu denen ab und zu spontan mitgesungen wird.

Quelle: Carsten Kämmerer
Foto: M. Gamper/Universal Music/ Musik für Dich