13.07.2017 07:00:00

Johnny Logan: Ich liebe es Golf zu spielen

Johnny Logan
Foto: 
Schlagerportal.com

Johnny Logan im Interview spricht der mehrfache Eurovision Song Contest Gewinner über sein liebstes Hobby und sein aktuelles Album „It Is What It Is“. Bereits 1980 gewann Johnny Logan mit dem Titel „Whats Another Year“ den ESC und bereits  1987 ist ihm das mit „Hold Me Now“ wieder gelungen. Das Tripple schaffte Johnny Logan 1992 als Komponist von „Why Me“ und der Interpretin Linda Martin. Mit SCHLAGERportal hat Johnny Logan auch über den Eurovision Song Contest und die Veränderungen in der Musik-Welt gesprochen.

Lieber Johnny, du hast den Eurovision Song Contest gleich 3 Mal gewonnen - wie denkst du heute über den ESC?

Ich denke der ESC spiegelt wider wie die Musikindustrie ist. Ich bevorzuge den Song Contest als ich daran teilgenommen habe, mit Orchester und den Musikern. Der ESC ist nun ein europäisches Popstars, die Künstler kommen auf die Bühne und singen 3 Minuten mit Playback, viel Lichtshow, Computergrafik im Hintergrund und Tänzer. Es verbessert natürlich die Präsentation der Künstler, das Drumherum schafft es auch einen wirklich schrecklichen Song gut aussehen zu lassen. Wie ich am ESC teilgenommen habe, ist es nur um den Song gegangen, wir haben all das ja nicht gehabt. Als ich angefangen habe meine Musik dem Publikum zu präsentieren gab es die digitale Unterstützung nicht, es waren damals schlechte Tonsysteme und du warst immer gefordert gute Musik zu machen. Heute startet ein Künstler mit einer tollen Show und Technik im TV und wenn er bei einer kleineren Veranstaltung auftreten muss, wo er keine gute Technik hat ist die Karriere vorbei – das ist die Realität.

Johnny Logan über „It Is What It Is“

Jetzt bist du mit deinem neuen Album „It Is What It Is“ am Start – was kannst du uns zu deiner neuen CD-Produktion sagen?

Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere angelangt, an dem ich auf mein Leben, meine Karriere zurückblicken wollte. Und ich habe realisiert, was die am meisten erfolgreiche Sache war, die ich gemacht habe – und es war „Hold me now“. Es war ein Lied, das ich geschrieben habe und das ich gesungen habe, und darauf habe ich mich konzentriert. Die letzten 5 Alben, die ich in Dänemark gemacht habe wurden in Skandinavien erfolgreich und das gab mir viel Vertrauen. Und ich dachte mir ich muss mein eigenes Ding machen. Zum ersten Mal seit „Hold me now“ habe ich ein komplettes original Johnny Logan Album gemacht auf dem alle 12 Songs von mir geschrieben wurden. Der Titel „It Is What It Is“ sagt grundsätzlich aus was mein Leben ist. Ich bin jetzt glücklicher, als ich es jemals in meinem Leben war. Ich bin jetzt viel erfolgreicher als ich jemals war und ich bin auch selbst besser geworden, ich bin besser auf der Bühne, ich performe besser auf der Bühne. Das Album ist eine Reflexion davon, meine Musik ist erwachsen geworden. Wenn du poppige Musik magst wie Lady Gaga wirst du dieses Album nicht kaufen, aber wenn du Musik magst wo zu 100% live Musik gespielt wird, wo keine Computersamples drauf sind, dann wirst du dieses Album mögen. Es ist von allem etwas dabei, Jazz, Rock, RNB und Blues und der letzte Song ist auch ein irisches Lied.

Gibt es auf dem neuen Album einen Song, den du als deinen Lieblingssong bezeichnet möchtest?

Ich mag alle Songs am neuen Album aber der beste ist für mich „It Is What It Is“, weil ich die 3 Geschichten die darin sind liebe. Es ist auch ein Statement darin das sagt, es ist nicht wichtig ob du jung, alt, schwarz oder weiß, Moslem oder Katholik bist – es ist einfach so wie es ist, dein Leben ist das was es ist. Probiere nicht jemand anderer zu sein, sei du selbst, lebe dein Leben und lass die anderen ihr Leben leben. Song Nummer 3 am Album „Forever and a day“ ist jener der am ehesten zu „Hold me know“ rann kommt, weil der Text und die Musik am besten zueinander passen.

Du hast alle Songs auf „It Is What It Is“ selbstgeschrieben, was inspiriert dich?

Meistens ist es Liebe und es sind Erinnerungen oder etwas was ich sehe oder höre. Oder ich nehme die Gitarre und spiele darauf und es fällt mir ein Lied ein, es ist oft auch ein Gefühl. Manchmal inspiriert mich die Umgebung. Als ich zum Beispiel nach Berlin geflogen bin durch die Wolken und der Mond kam heraus, da fühlte ich mich klein und ich realisierte die ganze Welt ist voller Menschen und jeder hat eine andere Geschichte und einige Menschen finden zu einander und gehen eine Beziehung ein. Alle schauen auf den gleichen Mond und erinnern sich daran, wenn sie mit jemand zusammen waren. Und ich hatte bei diesen Gedanken eine Idee für einen neuen Song. Oder es sagt jemand etwas zu dir und deine Gedanken kreisen und du beginnst darüber nachzudenken. Ich überleg mir nicht zu welchem Thema kann ich ein Lied schreiben, es kommen Ideen und da habe ich dann einen eigenen Prozess, der dazu in mir abläuft, das ist schwer zu erklären. Am schwierigsten ist es für mich wenn ein Song fertig wird, dann musst du Teile von deiner Idee weglassen, weil ein Song ist ja nur rund 3 oder 4 Minuten lang. Es hat wirklich viele Jahre gedauert zu lernen wie man damit umgeht.

Johnny Logan über die Veränderungen in der Musik-Welt

Seit deinem 1. ESC-Erfolg mit „What´s Another Year“ sind über 3 Jahrzehnte vergangen – wie hast du die Veränderungen in der Musik-Welt wahrgenommen?


Jedes Jahrzehnt hat seine eigene Geschichte aber heute ist es komplett anders. 95% der Musik in Skandinavien ist Streaming. Das bedeutet nicht, dass die Menschen Streaming wollen, sondern da hat jemand entschieden, dass Menschen da nur Streaming haben sollen. Weil die Menschen kommen auf meine Konzert und sie wollen CDs haben. Streaming ist nicht gut, weil die Künstler die die Musik machen nicht ordentlich bezahlt werden, die bekommen nur einen minimalen Anteil am Verkauf. Streaming an sich ist nicht schlecht, es ist die Zukunft der Musik aber die Erlösteilung beim Streaming ist falsch. Ich glaube aber schon, dass Menschen gerne etwas zum Angreifen haben, deshalb kommt ja auch Vinyl wieder gut an und die Menschen mögen auch die CDs, sie wollen gerne ein Autogramm darauf haben und sie wollen eine Erinnerung vom Konzert mitnehmen.
Man hat heute eine riesen Möglichkeit Musik zu konsumieren und Künstler haben unbegrenzte Möglichkeiten sich zu präsentieren aber die Qualität leidet sehr darunter. Früher waren 90% der Musiker richtig gut, heute sind 90% der Musiker schlecht. Und früher brauchte man als Künstler eine Plattenfirma mit einer Marketingabteilung, einer Radio- und TV-Abteilung, usw. – heute brauchst du nur einen Computer und du kannst deine Musik verbreiten. Und wie soll ein Radio heute entscheiden, welche Musik gut ist, die müssen ja bombardiert werden mit digitalen Songs, früher hat man sich da persönlich vorstellen müssen und seine Musik präsentieren.

Du hast sehr viel ESC Erfahrung, was braucht deiner Meinung nach ein ESC-Gewinner-Song?

Ganz oft 12 Punkte, das hilft den Song Contest zu gewinnen (lacht). Davon abgesehen darf man keinen Song nach einer Formel schreiben, schreibe einfach einen großartigen Song und sei ein guter Sänger. Wenn du einen guten Song machst, dann verbindet er dich mit den Menschen und die wollen den Song immer wieder hören.

Welche Musik hörst du privat am liebsten?

Ich höre immer verschiedene Musik, zurzeit höre ich Tom Waits und eine Band aus New Orleans und Foo Fighters aber auch Prince und David Bowie.

In seiner Freizeit spielt Johnny Logan gerne Golf!

Du bist sehr viel unterwegs – wie entspannst du dich am besten, was machst du am liebsten in deiner Freizeit?

Ich liebe es Golf zu spielen, ich glaube, wenn ich mehr Zeit dafür hätte, wäre ich ein richtig guter Golfer. Aber ich lese auch gerne, ich mag Biografien von Menschen, die ich kenne wie zum Beispiel Errol Flynn oder das Buch „The Elephant to Hollywood“ von Michael Caine ist auch richtig gut. Es war auch gut für mich die Biografie von Eric Clapton zu lesen, weil es hat ihn für mich sehr menschlich gemacht. Ich mag es Bücher zu lesen von Menschen mit menschlichen Schwächen wie Tommy Cooper, ein englischer Comedian der ein ernstes Alkoholproblem bekommen hat, ich habe kurz nach ihm im Oxford Circus ein Konzert gespielt – er ist bei seinem letzten Auftritt auf der Bühne zusammengebrochen und ist gestorben, er hat auf der Bühne gelebt und ist da gestorben. Er hat übrigens den Weltrekord gehalten Menschen zum Lachen zu bringen, das waren über 15 Minuten und er hat mich wirklich beeindruckt, er hat niemals einen schmutzigen Witz erzählt, er hat einfach Geschichten erzählt.

Magst du jungen Künstlern etwas mit auf den Weg geben, wenn sie in der Musik-Welt Fuß fassen möchten?

Ja natürlich gerne! Am Ende gewinnt immer die Musik selbst. Die Menschen wollen echte Musik haben, alle wollen großartige Musiker haben und tollen Sängern zuhören. Wie auch immer die Musik sich gerade verändert, es kommt ein Punkt da ist die Musik der jungen Künstler interessant, die alten Musiker verschwinden und sei immer der beste Musiker, der du sein kannst.

Quelle: Schlagerportal
Foto: Schlagerportal.com