09.07.2019 11:04:54

Sebastian Raetzel: Ich sage ganz offensiv - ich mache Schlager!

Sebastian Raetzel
Foto: 
Sven Sindt

Sebastian Raetzel hat mit The Baseballs nahezu alles erreicht. Auf unzählige Edelmetall Awards, fast 2 Mio. verkaufte Alben und 500 Live-Shows in 26 Länder kann Sebastian Raetzel mit The Baseballs bereits zurückblicken. Jetzt geht der smarte Sänger, der sich als Songwriter im Schlager bereits einen guten Namen machen konnte, als Solo-Interpret neue Wege. "Derselbe Himmel" heißt das 1. Solo-Album von Sebastian Raetzel. SCHLAGERportal hat im Interview mit Sebastian Raetzel über seine Zukunftswünsche, Schlager und natürlich sein neues Album gesprochen. 

Du konntest mit The Baseballs große Erfolge verbuchen, warum hast du dich entschieden nun eine Solokarriere zu starten?

Als wir mit The Baseballs vor 2 Jahren unser 10-jähriges Jubiläum gefeiert haben, habe ich nicht nur zurück, sondern auch nach vorne geschaut und mich gefragt, was ich noch möchte. Dabei habe ich diesen Traum wiederentdeckt, den es schon sehr lange in mir gibt, schon länger als The Baseballs. Den großen Wunsch, mal ein eigenes Album zu machen. Mit eigenen Texten, eigenen Ideen, ganz nach meinen Vorstellungen. Als Musiker ist man ja doch vielseitiger, als man in einer Band vielleicht zeigen kann, und die anderen Facetten von mir wollten jetzt einfach mal raus. Das Ergebnis ist jetzt mein Soloalbum.

Wie kann man sich das vorstellen, wirst du auch weiterhin bei The Baseballs auf der Bühne stehen?

Ja, The Baseballs gibt es weiter und auch mit mir. Wir machen in diesem Jahr etwas ruhiger und spielen nur wenige Shows. Der perfekte Zeitpunkt für mein Soloalbum. Ich bin auch sehr dankbar, dass meine Bandkollegen Sam und Digger mich das nicht nur machen lassen, sondern dabei auch uneingeschränkt unterstützen. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.

Sebastian Raetzel, Derselbe Himmel

Sebastian Raetzel: "Derselbe Himmel"

Bald erscheint das neue Sebastian Raetzel Album "Derselbe Himmel"- erzähle uns ein wenig davon, worauf können sich die Fans freuen?

Es sind vor allem sehr persönliche Geschichten die ich auf dem Album erzähle. Dabei geht es thematisch, neben Liebe in all ihren Facetten, auch um Dinge, wie den Verlust eines geliebten Menschen, das Würdigen von unsichtbaren Helden, Kinderarmut und anderes. Mir war es wichtig, dass die Songs bei aller inhaltlichen Tiefe nie schwermütig werden und etwas Positives behalten. 

Gibt es einen Song auf dem neuen Album, der dir besonders am Herzen liegt, der quasi dein Lieblingssong ist? 

Man spricht bei Songs ja gerne von seinen Babys und natürlich liebt man alle seine Babys gleich stark. Jeder Titel bedeutet mir auf unterschiedliche Weise sehr viel, deshalb will und kann ich eigentlich keinen herausheben. 

Dein neues Album ist deutschsprachig, in welches Genre würdest du dich damit einreihen? Oder brauchen wir überhaupt keine Genres mehr und sollte das Genre-Denken in unseren Köpfen bereits längst abgelegt sein?

Ich sage ganz offensiv: Ich mache Schlager. Denn ich verwende eine sehr direkte Sprache und versuche es nicht in irgendeine Coolness zu verpacken. Das würde auch gar nicht zu mir passen. Aber klar, die Grenzen zwischen Deutschpop und Schlager werden immer schwammiger. Ich denke für das Publikum ist das Genre auch immer häufiger egal. Da hört jemand Helene Fischer und  Andrea Berg, freut sich genauso über neue Songs von Sarah Connor und geht vielleicht sogar auf ein Rammstein Konzert. Am Ende geht es doch nur darum: berührt mich Musik oder nicht


Als Solist hast du dich für Musik in deutscher Sprache entschieden – warum?

Ehrlich gesagt begann alles mit deutscher Musik. Meinen allerersten Auftritt hatte ich mit 5 Jahren beim 65. Geburtstag meines Opas. Gesungen habe ich damals "Rote Lippen" von Cliff Richard, also einem Rock’n’Roll-Schlager. Nach 12 Jahren Rock’n’Roll ist jetzt mal wieder die andere Hälfte dran (lacht). In den letzten Jahren bin ich als Songwriter dahin zurückgekehrt und habe u.a. Songs für Vincent Gross, Ella Endlich und Helene Fischer geschrieben. Durch das Singen der Songdemos, bekam ich dann immer mehr Lust auch selbst Schlager für mich zu schreiben und zu singen. Vor 2,5 Jahren habe ich es dann einfach gewagt und das Ergebnis hört ihr jetzt auf meinem Album.

Sebastian Raetzel: Die Emotion ist in der Musik das Wichtigste!

Deutschsprachige Musik erlebt derzeit einen extremen Aufwind, warum glaubst ist das so?

Ich denke, das hat vor allem etwas mit der Verständlichkeit zu tun. Man weiß gleich, ohne übersetzen zu müssen, worum es geht. Außerdem habe ich das Gefühl, dass man als Interpret, der Muttersprachler ist, deutsche Texte einfach mit mehr Emotion rüberbringen kann. Gerade wenn es tiefere Emotionen sind. Das ist in der Musik ja das Wichtigste, die Emotion. Ich denke davon fühlen sich immer mehr Menschen angesprochen. Dazu kommt natürlich noch, dass auch die Produktionen deutlich moderner geworden sind. Da wurde in den letzten Jahren schon musikalisch ordentlich durchgelüftet. 

Du bist auch als Songwriter in der Musik-Szene sehr erfolgreich, was inspiriert dich zu deinen Songs und wann und wo schreibst du am liebsten?

Die Ideen kommen mir im Alltag, durch einen Eindruck von außen oder wenn ich mich einfach mal wegträume. Plötzlich ist da ein Wort oder ein Satz, der mir in den Kopf kommt und Bilder schafft. Das schreibe ich mir dann schnell auf. Wenn ich mich dann zum Schreiben mit anderen treffe, kommen die Ideen auf den Tisch und wenn alle Lust drauf haben, wird der Song geschrieben. Beim Schreiben bin ich eher ein Teamschreiber. Durch den gegenseitigen Input komm ich meistens schnell auf den Punkt.

Der Schlager ist seit Jahrzehnten populär, was ist für dich ein erfolgreicher Schlager?

Erfolgreicher Schlager muss zu allererst die Menschen berühren. Egal, ob er fröhlich, melancholisch oder tieftraurig ist. Die Melodie sollte möglichst eingängig sein, im Kopf bleiben und der Text eine einfache, direkte Sprache haben. Dazu sollte er nie die Leichtigkeit verlieren, etwas Positives haben. Am Ende liegt es natürlich aber auch immer an der Interpretin oder am Interpreten, ob sie es schaffen den Song markant und besonders rüberzubringen. Denn, derselbe Titel wird sicher nicht bei jedem der ihn singt auch erfolgreich. 

Sebastian Raetztel kann auch beim Kochen super entspannen!

Als Musiker kann das Leben auch mal sehr anstrengend sein, wo und wie entspannst du dich, was erdet dich?

Erst mal natürlich meine Freunde, mit denen ich am besten entspannen oder auch einfach mal Quatsch machen kann. Wenn ich Fußball spiele, ich bin Torwart, schalte ich auch völlig ab, sobald ich den Platz betrete. Außerdem kann ich beim Kochen super runterfahren.

Was sind deine Ziele und Wünsche für deine Solo-Karriere, wo siehst du dich in 10 Jahren?

Ich hoffe, auf der Bühne! Live zu spielen ist das Wichtigste für mich. Deshalb habe ich mir auch direkt ein Solokonzert am 19. Oktober in Berlin selbst organisiert, bei dem ich das erste Mal mein Album live mit Band spielen werde. Wenn ich das auch noch in 10 Jahren machen darf und ein paar Leute kommen, bin unendlich glücklich.

Autor: Schlagerportal
Foto: Sony Music/Sven Sindt

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