22.05.2021 10:40:03

Harmonika-Weltmeister Rene Kogler setzt auf Strasser!

Rene Kogler, Strasser Harmonika
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Strasser Harmonika

Musik begleitet Rene Kogler sein ganzes Leben, er ist in einer musikalischen Familie aufgewachsen, hat sich quasi selbst das Harmonikaspielen beigebracht und ist seit frühester Kindheit ein Fan der Strasser-Harmonika. Warum das so ist, welche Tipps er für Harmonika-Anfänger hat, warum es ganz praktisch war, dass seine Eltern immer bei vielen Auftritten unterwegs waren und was es bedeutet an der Harmonika-Weltmeisterschaft teilzunehmen hat er SCHLAGERportal im Interview erzählt.

Rene, du hast dir ja selbst das Spielen auf der Steirischen Harmonika beigebracht, wie hast du das gemacht?

Ich habe zunächst im Alter von etwa sieben Jahren immer wieder heimlich die einzige vierreihige Harmonika meiner Mutter, die nicht in Dauerverwendung war als sie ständig mit der Musik unterwegs war, genommen und probiert einfache Melodien nachzuspielen. Ich erforschte die Steirische Harmonika sozusagen auf meine ganz eigene Weise. Die Melodien waren in meinem Kopf sehr ungenau aber dennoch vorhanden. Nach dem ich das öfter gemacht habe, verstand ich sozusagen ein gewisses Grundprinzip des Instrumentes. Aber natürlich schaffte ich es noch lange nicht z.B. auf der Bassseite durchgehend zu spielen oder gar ein ganzes Stück mit drei Teilen. Ich kannte zunächst ja eigentlich gar keine richtigen Stücke sondern nur Ausschnitte von Refrains oder ähnlichen die ich vom Fernsehen oder Radio kannte, oder besser gesagt glaubte zu kennen. Irgendwann nach etwa einem Jahr sagte ich zu meinen Eltern: "Heut spiel ich euch was vor!" - sie dachten natürlich an einen kindlichen Scherz und waren sehr erstaunt was ich da von mir gab. Unbemerkt möglich gewesen ist dies vor allem durch die Tatsache, dass ich hauptsächlich in dieser Zeit bei meinen Großeltern mütterlicherseits aufwuchs und mir quasi der erste Stock in unserem gemeinsamen Haushalt gehörte, während meine Eltern auf Tournee waren. Da die Auftragslage damals in den 90er Jahren noch sehr gut war (130 Auftritte im Jahr), hatte ich sehr oft Gelegenheit unbemerkt zu probieren.

Bald darauf bekam ich eine von der Größe her für mich passende dreireihige Harmonika, jedoch haben meine Eltern entschieden mich nicht in die Musikschule zu geben, sondern mir meine "Spielerei" selbst zu überlassen. Mein Großvater unterstützte mich noch zusätzlich mit einem ganz wichtigen Equipment - mein erster CD-Player kombiniert mit einem Kassettenrecorder. Damit war ich dann fürs Erste perfekt ausgerüstet um Radiosendungen festzuhalten oder auch die Sammlung von MCs und  den damals noch eher raren CDs aus dem elterlichen Besitz durchzuarbeiten.

Rene Kogler: Klavier war in der Schule mein Hauptinstrument!

Mit den heute üblichen Anfängerstücken aus der echten Volksmusik wurde ich auf eine besonders eigenartige Weise konfrontiert. Ich hatte kaum Aufnahmen von solchen Stücken, aber hörte vor allem von meinen Kollegen in der Musikhauptschule Gratwein diese Literatur. Bald stellte ich fest, dass ich ein solches Stück auch ohne Üben sofort spielen könnte und erweiterte meine Logik auf dem Instrument. Damals konnte ich mit der echten Volksmusik und mit der Griffschriftmethode überhaupt nichts anfangen. Mit den Hauptschuljahren schwand zunächst das Interesse am Harmonikaspielen, hatte auch einmal ein Jahr lang ausgesetzt, die Harmonika musste dem Klavier, meinem neuen Hauptinstrument, weichen.

Eines Tages sortierte meine Mutter ihre Langspielplatten und ich sah mir mit Begeisterung die alten Covers an bevor ich die ein oder andere Platte auflegte. Die Platten waren die letzte Form der Tonträger die ich aufarbeitete, hatte auch mit früheren Bedienungsschwierigkeiten zu tun und der Angst eine Platte zu zerkratzen. Beim Sortieren stach eine Platte heraus - ein Harmonikaspieler - Erich Moser. Wir fanden insgesamt drei Platten und eine Kassette, die ich von nun an mit wenigen Ausnahmen fast täglich hörte. Ich wusste einfach ich will so spielen wie der - und zwar nur mehr so! Mich hat das "schräge" und unkonventionelle Spiel so fasziniert, dass ich unbedingt herausfinden wollte wie das geht. Eine unheimlich prägende Rolle hat das Gasthaus Poldwirt in Adriach für mich. Dort konnte ich via 15 Min. Fußmarsch auch als Bub hinkommen und stundenlang mitspielen, mit den hauseigenen Instrumenten und oft auch mit den Instrumenten der Gäste. Da bekam ich mal eine drei-, vier- oder fünfreihige Harmonika in die Hand, wodurch ich das System der Harmonika mit meinen eigenen logischen Erkenntnissen zu verstehen lernte. So wurde ich langsam Herr der Lage was den "Moser-Stil" anbelangte. Ich wusste nun endlich wie das Griffschema und die Ornamentik usw. funktionierte.
 
Obwohl ich auch immer wieder selbst komponierte, veränderte und entwickelte sich mein Spielstil erst später um etwa 2006 herum. Als meine Lehre als Kfz-Techniker dem Ende zuging hatte ich auch wieder mehr Lust zu spielen, auch war ich seit 1.1.2006 Mitglied in der Gruppe "Ingrid und Steirerboys" zusammen mit meinen Eltern, somit kam ich ohnehin mehr zum Spielen. Hier kam langsam die Idee an einem Wettbewerb teilzunehmen und ich begann mich zu erkundigen.

Rene Kogler hat viele Musikinstrumente in seiner Sammlung!

Du spielst ja mehrere Instrumente, was ist das Besondere an der Harmonika?

Ja, ich spiele sämtliche Tasteninstrumente wie z.B. Klavier, Keyboard, Akkordeon, wobei das Klavier von meiner musikalischen Denkweise her absolut mein Hauptinstrument ist. Ich bin dabei kein Einzelfall - die Besten der Besten auf der Steirischen Harmonika spielen zu 99 Prozent alle mindestens ein Tasteninstrument. Als ich das Studium IGP Volksmusik (Anm.: Instrumental-Gesangs-Pädagogik) im Jahr 2010 begonnen habe, kam die Gitarre dazu, danach der E-Bass sowie chromatisches Hackbrett und diatonisches (steirisches) Hackbrett. Die Harmonika hat den entscheidenden Vorteil gegenüber dem Klavier, dass ich viel rescher und interessanter arrangieren kann. Zum Beispiel sind neben den herkömmlich gespielten Stilen auch Rock, Pop und Schlager Musik sehr gut spiel- und arrangierbar und obendrein erwartet sich das aber niemand bei der Steirischen Harmonika. Somit war es für mich immer nur logisch sich auf die Steirische Harmonika zu konzentrieren. Mir hat es nicht am meisten Spaß gemacht einfach Harmonika zu spielen, sondern anders Harmonika zu spielen und zwar in jeder Hinsicht.

Ich glaube ich bräuchte eine Inventurliste um zu wissen wie viele Instrumente ich habe, aber bei den Harmonikas weiß ich das ganz genau. Momentan habe ich selbst 5 Steirische Harmonikas, davon sind 3 im täglichen Gebrauch und eines davon ist ein Konzertinstrument. Außerdem arbeite ich auch mit "Leihgaben" meiner Lebenspartnerin die ebenfalls 4 Strasser Harmonikas besitzt und mit diversen "Dienstharmonikas" der Quetschnacademy. Der Grund für all diese verschiedenen Harmonikas sind nicht nur die verschiedenen Stimmungen sondern vor allem auch die Schwebung (ob eine Harmonika flach oder resch kling) sowie die unterschiedliche Anzahl an Tönen auf Bass und Diskantseite. Auch das Unterrichten an verschiedensten Standorten ist ein Grund für die hohe Anzahl an Instrumenten.

Wenn man Steirische lernen möchte, wie geht man das an – hast du ein paar Tipps für Neueinsteiger?

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Es gibt da sehr unterschiedliche Ansätze. Es kommt darauf an ob jemand schon Vorkenntnisse hat und wie die ersten Unterrichtseinheiten verlaufen. Ich persönlich bin ein Verfechter des "Auswendiglernens". Das funktioniert bei meinen Schülern zu 99 Prozent sehr gut. Ziel ist es dabei ein Repertoire aufzubauen und die gelernten Stücke zu sammeln. Am Anfang ist die Technik, Logik, Visualisierung und Kognitivität wichtig. Man kann es vergleichen mit einem Computer: Durch das Auswendigspielen erspart man sich Rechenleistung in Form von Lesen einer Partitur - diese Rechenleistung kommt dann der auditiven Wahrnehmung zu gute und verspricht bessere "musikalischere" Ergebnisse. Die eigentliche Beherrschung des Instrumentes kommt bei regelmäßigem Unterricht und Üben ca. im 5. Spieljahr, wo sich dann die Koordination von Balgführung in Relation zu Tastenhub und Druck usw. wirklich automatisiert und einfindet. Ab da ist dann der Auswendigspieler ganz klar im Vorteil. Wichtig ist eine realistische Selbstreflexion, der Lehrer ist da um diese zu ergänzen und zu verbessern.

Griffschriftspielern fehlt oft der auditive Zugang, man spielt den Knopf der angezeigt wird und nicht selten merken es Spieler nicht wenn sie einen daneben liegen obwohl ganz etwas anderes rauskommt. Bei Noten oder "Klangschriftspielern" ist es im Idealfall so, dass man jede Note am Instrument genau kennt und dadurch aus der Logik heraus auch "Ersatzgriffe" und dergleichen spielen kann. Das Problem ist der Anfang ohne "Notenvorkenntnisse." Wenn jemand nach Noten lernen möchte sollte er sich auch parallel in Musiktheorie bilden oder ein Tasteninstrument dazulernen, da dort der Aufbau um ein vielfaches logischer ist. Thesen gibt es da viele, aber das ist meine Meinung dazu.

Du hast an vielen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen, die höchste Auszeichnung ist wohl der Weltmeister-Titel auf der Steirischen 2011 – welcher Erinnerungen hast du daran?

Meine Wettbewerbskarriere besteht im Wesentlichen aus drei WM-Anläufen. Der erste Wettbewerb dieser Art für mich war in Sterzing/Südtirol und war für mich eine ganz neue Erfahrung. Wie ein Hobbysportler der in seinem Hausverein gefeiert wird und dann zur Olympiade geht und das erste Mal die Athleten bestaunt - so glaub ich kann man das nachempfinden. Ich erreichte dennoch den 8. Platz. Da ich nun wusste in welche Richtung sich das bewegt komponierte ich meine Komposition "Knopferlgulasch" für den 2. Anlauf im Jahr 2009, wo die WM in St. Kanzian am Klopeinersee stattfand. Mein Rezept ging auf und die harte Arbeit an mir und das nächtelange Üben hatten sich ausgezahlt, dennoch war am Ende "nur" Platz 2 drinnen. Mein Kontrahent war ein ganz anderer Spieler als ich, völlig anderer Zugang und völlig anderer Stil, ich wollte jedoch auch diese Erfahrung nicht ungenutzt lassen und überließ beim 3. Anlauf nichts dem Zufall. Diesmal hatte ich von 4 Stücken 2 extra angefertigte und abgestimmte Eigenkompositionen mitgebracht in die Eishalle nach Inzell/Bayern. Mit meinen Kompositionen "Lichtjahre voraus" und "Verrückt nach den Sternen" konnte ich mir den ersten Platz sichern.

Rene Kogler: Nur Übung macht wahren den Meister, auch auf der Steirischen!

Es war eine angespannte Situation, man arbeitet 2 Jahre für einen Moment und jederzeit kann etwas passieren. Ich feierte zunächst nicht, war nicht in der Lage alles zu begreifen. Eine unheimliche Last die ich mir auferlegt hatte war nun endlich weg - aber die neue kam länger und dauerhafter. Ständig beweisen zu müssen, dass man es noch kann ist eine viel schwierigere Aufgabe, dabei hab ich den Level noch gesteigert bis ca. 2016, nun ist es an der Zeit den Level hochzuhalten, solange der Körper es zulässt. So ein Programm kann man nicht einfach so spielen, man muss sich zuerst 2 Stunden einspielen. Trotz aller Vorurteile geht es immer noch um Musik und auch um den Ausdruck, wenn auch die Darbietungen eines Wettbewerbs und das Üben ein Leistungssport sind.

Du setzt seit Jahren auf die Harmonika aus dem Hause Strasser – warum?

Es war schon als Kind immer mein Traum eine Strasser zu besitzen. Auch Erich Moser war dieser Marke bis zum Schluss treu. 2003 kam ich als junger Kunde in den Verkaufsraum der Firma Strasser und sah eine schwarze "Deluxe E" am Regal und es ist als wenn ich mir eine Hose kaufen würde, ich schaue, sehe das was mir ins Auge sticht und kaufe. Diese Harmonika war vor allem 2003 etwas ganz Neuartiges, war jedoch irgendwie klassisch zeitlos. Von dort an war ich ein zufriedener Kunde, denn nach 18 Jahren spiele ich täglich mit der gleichen Harmonika die weit über 1000 Auftritte mitgemacht hat. Die Qualität ist absolut top, die Betreuung ebenso und noch dazu sehr nah von meinem Wohnort. Natürlich steht man als Lehrer auch immer mit anderen Herstellern im Kontakt und es gibt keinen Markenzwang bei meinen Schülern. Für mich gibt es keinen Grund einen Markenwechsel anzustreben, denn ich bin quasi mit den Strasser-Modellen so liiert, dass ich die Umrisse auch bei abgelegtem Instrument am Körper spüre.

Strasser Harmonikas sind auch nach Jahren noch hochwertige Instrumente!

Deine neue Strasser-Harmonika ist ein sehr schönes Stück Handwerkskunst, wie wichtig ist dir bei einem Instrument das Handwerk und die Optik und wie wird die neue Strasser zum Einsatz kommen?

Dass meine neue Harmonika wieder eine "De Luxe E" ist, hat den einfachen Grund, dass mich mein erstes Instrument aus dem Jahre 2003 noch nie enttäuscht hat und stets zuverlässig war. Auch wenn momentan der Trend zu den Holz-Harmonikas geht, ist mir eine hochglänzende in der Pflege viel lieber und auch nicht wesentlich empfindlich. Gerade deshalb möchte ich durch meine 2 identisch aussehenden Instrumente, die 18 Jahre Bauzeitunterschied haben, deutlich machen, wie hochwertig die Firma Strasser ihre Instrumente herstellt. Des weiteren ist es eine Ergänzung in meiner Tonartensammlung. Sie wird als Unterrichts- sowie als Bühnenmodell im Einsatz sein.

Autor: SCHLAGERportal
Foto: Strasser Harmonika

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