21.01.2013 07:00:33

Max von Milland: "Woher i eigentlich kimm", VÖ: 25.01.2013

Die Besinnung auf die eigenen Wurzeln war für Max von Milland eine logische Konsequenz nachdem sich seine frühere Rockband aufgelöst hat. Denn Aufgeben kam für den 26-Jährigen nicht in Frage. Den entscheidenden Impuls brachte die Erkenntnis, dass ihm die Musik viel leichter von der Hand geht, wenn er sich auf die Sprache konzentriert, mit der er aufgewachsen ist: dem Südtiroler Dialekt. „Keine andere Sprache kann Empfindungen so ehrlich und unverstellt wiedergeben wie die eigene Muttersprache“, so der in Berlin lebende und studierende Musiker. Im Zuge dessen sprudelten die Songideen nur so aus ihm heraus.

Speziell der Titelsong des Albums „Woher i eigentlich kimm“ ist in diesem Kontext wie ein psychologisches Leitmotiv. Es geht um das Gefühl von Heimat im romantischen Sinn, um Heimweh und letztlich um das universelle Finden von Heimat in der Liebe. Max von Milland hat mit seiner musikalischen und textlichen Mischung aus Aufbruch, Bodenständigkeit und internationalen Popeinflüssen nicht nur innerhalb kürzester Zeit gefeierte Support-Slots für die Sportfreunde Stiller und die Söhne Mannheims bekommen, sondern gewann auch den Bayerischen Förderpreis für junge Liedermacher 2011.


Der Gedanke an Heimatbezogenheit und Tiroler Dialekt mag vereinzelt Vorurteile hervorrufen, denkt man bei Mundart-Musik zunächst an regional geprägte Phänomene, die außerhalb ihres Heimatkreises nahezu unverstanden bleiben. Nicht so Max von Milland. Sein Songwriter-Pop ist derart international angelegt und im Melodieverständnis von den Beatles, Kings of Leon oder Jack Johnson geprägt, dass der Dialekt das Gesamtwerk nicht dominiert, sondern ihm lediglich eine exotische Farbe verleiht und ein völlig eigenständiges und neuartiges Gesamtgefühl erschafft. „Ich glaube, dass auch Leute aus anderen Gegenden durchaus den Sinn meiner Songs erfassen werden, auch wenn ihnen vielleicht nicht jedes Wort geläufig ist.“

Ein gutes Beispiel für die Qualität des Songwritings ist die erste Single „Leg di her“. Der Titel beschäftigt sich mit dem Erkennen des wahren Glücks in einer Welt, die nur aus Werbung und Lärm zu bestehen scheint und dem Selbstbetrug Tür und Tor öffnet. Im Grunde also um das Wesentliche. Max von Milland gibt persönlichen Alltagsbetrachtungen immer wieder eine bewusste Metaebene, die zum Nachdenken anregt, wobei die persönliche Erlebniswelt immer im Vordergrund steht. Auch das folkrockige Liebeslied „Mit dir an meiner Seite“ erzählt ohne Schnörkel von Liebe, Freundschaft und dem Zusammenhalten gerade in schwierigen Zeiten. Wie Filmsequenzen laufen die Szenen des Songs vor dem inneren Auge ab, um schließlich die Tür zu einem weiteren Höhepunkt des Albums zu öffnen – dem melancholisch-tröstlichen Folk-Song „Oft andersch als du denksch“. Max von Milland findet hier, untermalt von gekonntem Gitarrenspiel, offene Worte für verwundete Seelen. Er fordert auf, an sich zu Glauben und auf sein Herz zu hören. Das sind im Übrigen wiederkehrende Gedanken, die immer wieder auftauchen. Sie öffnen ein Stück weit die geistige Welt des Künstlers.

Die Songs dieses Debütalbums klingen durch die Bank bemerkenswert ausgereift und die Arrangements sind eindrucksvoll auf den Punkt gebracht. Als Produzenten konnte er hierfür Olaf Opal (The Notwist, Sportfreunde Stiller, Juli, Madsen...) begeistern. „Ich habe mich mit ihm in Berlin getroffen, wir haben kurz gesprochen und sind dann sofort in meine Wohnung gefahren, um mehrere Stunden meine Songs zu hören. Obwohl Olaf aus Bochum kommt und es keinerlei Verbindung zum Südtiroler Dialekt gibt, hat er die Aufnahmen sofort verstanden und sie optimal umgesetzt. Ich habe das Gefühl, dass er mich genau so dargestellt hat, wie ich auch bin.“

Veredelt durch Musiker wie Simon Frontzek am Klavier (Sir Simon Battle, Tomte), Alex Jezdinsky am Schlagzeug (Naked Lunch) und Thomas „Slowey“ Merkel am Bass ist Max von Milland mit Woher I eigentlich kimm ein Album gelungen, dass Dialekt-Grenzen transzendieren wird. Denn seine Musik ist große Pop-Musik mit Indie-Wurzeln, mal euphorisch, mal nachdenklich, aber vor allem von glaubwürdiger Herzlichkeit. Das wird man auch außerhalb der Alpenregionen erkennen.

Quelle: Universal Music/Vollkontakt