26.06.2016 10:00:00

Hannah: Ich bin ein sehr extrovertierter Typ

Hannah
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Schlagerportal.com

Hannah überzeugte die Musik-Welt bereits mit 3 Alben. „Aufstieg“ nennt sich die neue Hannah CD, auf der die Powerfrau aus Tirol auch Themen anspricht, die nicht nur die heile Welt widerspiegeln. Sowohl optisch als auch musikalisch geht Hannah ihren eigenen, unverkennbaren Weg.  SCHLAGERportal hat mit Sängerin Hannah über Musik, Heimat und Styling gesprochen.

Du schreibst deine Songs selbst, was inspiriert dich?

Alles und jeder inspiriert mich! Ich hab mal einen Spruch gehört „Den Leuten aufs Maul g´schaut“, und das stimmt! Man muss nur den Leuten beim Sprechen zuhören, was die Leute bewegt, was sie für Sätze sagen. Und so entstehen bestimmte Themen von Songs und auch bestimmte Satzäußerungen wie sie das ausdrücken. Weil mir ist es ganz wichtig, dass man ganz nah am Leben dran schreibt.

War für dich immer klar, dass du in deiner Muttersprache singen möchtest und noch dazu im Dialekt?

Das hat sich so entwickelt. Ich bin ja mit 18 Jahren, nach der Matura nach Deutschland zu Powervoice und habe da eine Gesangsausbildung gemacht. Nachdem ich ja daheim von meiner Mama mit den Lokalradio-Sendern betudelt worden bin – mit Schlager und Volksmusik – habe ich gesagt das will ich nie im Leben machen, ich will nur Englisch machen und bin in diese Richtung gegangen. Als ich dann meinen 1. Sohn geboren hab, hat sich das schlagartig verändert. Ich hab mich dann ans Klavier gesetzt, hab mehr Zeit gehabt und hab dann in meiner eigenen Muttersprache gesungen, habe im Dialekt gesungen. Da habe ich gemerkt, aha da kann man eigentlich noch mehr Gefühl ausdrücken. Und so hat sich das Ganze eigentlich entwickelt, weil ich dann gemerkt habe - das ist das was ich machen will.

Hannah: Wir dürfen stolz auf unser Land sein

Ist der Dialekt für dich als Tirolerin auch ein gewisses Maß an Authentizität?

Das sind auf alle Fälle meine Wurzeln. Ich bin aber auch sehr viel herumgereist, die Ausbildung habe ich in Deutschland gemacht in Hannover, da habe ich mich auch Dialektmäßig anpassen müssen und habe dann halt Hochdeutsch gesprochen. Bin dann wieder zurück und die Wurzeln sind auf alle Fälle da. Aber ich glaube man kann das auch so rüberbringen, dass es jeder versteht und trotzdem hört man aber, dass ich eine Tirolerin bin.

Ist es bei Musik überhaupt wichtig, dass Jedermann jedes Wort zu 100 Prozent versteht? Ist nicht das Gefühl oder der Gesamteindruck oft wichtiger?

Auf alle Fälle, ich glaub dass wir da eh schon viel weiter sind – der Andreas Gabalier hat da glaube ich einen großen Schritt vorgelegt und hat uns da ein bissl die Bahnen geebnet. Wobei auch er - glaube ich - im Radio in Deutschland nicht so viel gespielt wird. Das ist halt leider ein Manko von den Radiostationen, muss man wirklich sagen. Aber ich sage immer: unser Land ist so schön und wir Künstler kämpfen einfach dafür, für unsere Sprache, auch dass wir übers Land singen dürfen. Weil nicht nur der Andreas sondern auch ich wurden ziemlich schnell einmal in ein „Rechtes Eck“ gestellt, von verschiedenen Seiten. Davon distanziere ich mich total, ich finde einfach: wir dürfen stolz auf unser Land sein und wir dürfen auch darüber singen, dafür kämpfe ich.


Deutschsprachige Musik war vor einigen Jahren nicht populär, heute singen viele namhafte Künstler in Deutsch und auch die Jugend möchte wieder Musik in ihrer Muttersprache konsumieren – warum glaubst du ist das so?

Ich glaube, weil sie ihre Wurzeln wieder suchen. Wir konsumieren ja ständig, wir sind am Handy, wir kriegen so viele Informationen, dass wir einfach wieder die Erdung suchen. Mich verblüfft das immer wenn bei meinen Konzerten so viele Junge da sind, auch Jung-Bauern usw. Ich bin ein sehr extrovertierter Typ, mit Tattoo am Kopf und da verwundert es mich trotzdem, dass auch Frauen im älteren Semesters zu mir kommen und sagen: Hey das was du machst das finden wir super. Du schaust super aus, mir gefällt die Mode und die Frisur.

Hannah: Ich mach mein Styling einfach selbst

Du hast gerade dein Aussehen angesprochen – woher kommt dein außergewöhnliches Styling?

Da muss ich ein bissl ausholen! Wie ich meinen 1. Plattenvertrag bekommen hab:  da unterschreibt man einen Vertrag bei einem Major-Label und denkt sich: jetzt hab ich es geschafft, jetzt habe ich das Ziel erreicht! Dann kommt die 1. Sitzung und dann wird einem gesagt: so jetzt machen wir ein Umstyling. Ich war immer schon sehr ein extrovertierter Typ und bei diesem Umstyling war das dann so: ja wir müssen dich jetzt braver machen. Wer sich erinnern kann: beim Grand Prix der Volksmusik war ich dabei und habe ausgeschaut wie ein 14-jähriges Mädchen, ganz brave Frisur und fast gar nicht geschminkt. Diese Umstyling habe ich damals über die Plattenfirma gemacht und bin dann aus dem Frisörladen raus und habe mir gedacht: ich kenne mich gar nicht mehr. Die haben mich braver gemacht, vom Outfit und Styling. Ich habe mich dann Schritt für Schritt wieder davon losgelöst, weil ich mir gesagt habe: ich bin das einfach nicht und ich will das nicht. Habe die Plattenfirma dann auch gewechselt und die lassen mir da freie Hand. Und man gemerkt, dass das eigentlich auch genau das Erfolgsrezept ist. Ich darf jetzt wieder ich selber sein und das tut mir wahnsinnig gut.

Ist Hannah privat auch so gestylt?

Genau! Wobei die Haare trage ich nicht immer hoch, sondern halt auch mal nach unten, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin. Aber mich kennt man so! Ich trage auch privat gerne hohe Schuhe. Ich mach mein Styling einfach selbst. Es gibt keine Stylistin, weil ich glaube es gibt niemanden der mich so gut kennt wie ich mich selbst. In bin halt immer auf der Suche. Es ist viel Arbeit. Oft sitze ich dann am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, mit Stoffmalfarbe und male auf meinen Klamotten was drauf oder nähe was drauf. Weil ich hab das dann im Kopf und wenn ich das dann so nicht finde, dann mach ich das einfach selber.

Dein Ehemann ist auch dein Produzent – wie hat sich das ergeben?

Der Willi war für mich da in einer sehr schwierigen Zeit, weil der Vater von meinen Kindern der hat mich ja verlassen und ist ja nicht mehr auffindbar. Damals war ich in der Karenzzeit und war gerade am Anfang meiner Musik-Karriere. Ich bin dagestanden in der Karenzzeit ohne finanzielles Einkommen, weil der hat auch noch unser gemeinsames Konto leergeräumt, hat seine Koffer gepackt und ist abghaut. Und ich bin dagestanden, meine Kleine war da gerade 1 ½ Jahre alt, und habe eigentlich nicht gewusst wie es weitergeht. Es war alles ein Zufall, ich habe ein Demo an den Willi geschickt nur mit Klavier und Gesang, ganz ein einfaches Demo – ein Mitschnitt. Und mit diesem Demo bin ich gesignt worden, habe innerhalb einer Woche den Plattenvertrag bekommen und war 2 Monate später beim Grand Prix der Volksmusik dabei. Der Willi war einfach immer für mich da, dann ist Liebe daraus geworden.

 

Quelle: Schlagerportal
Fotos: Schlagerportal.com