01.05.2014 11:00:59

CD Rezension: Peter Kraus - Zeitensprung

Peter Kraus
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Kraus und Perino

Diese Zahlen sprechen für sich: Peter Kraus ist 75 Jahre „jung“, feiert das 60. Bühnenjubiläum und der 45. Hochzeitstag. Wo andere in seinem Alter längst die Füße hochlegen und das Leben Revue passieren lassen, startet Peter Kraus, Deutschlands erster Rock´n´Roller, so richtig durch. „Zeitensprung“ ist eben kein typisches Jubiläums- oder Abschiedsalbum des gebürtigen Münchners. Bewusst lässt er seine großen Hits, wie „Sugar Baby“, „Schwarze Rose, Rosemarie“ oder „Wenn Teenager träumen“, auf dieser CD nicht auftauchen. Stattdessen erfüllt Peter Kraus sich den Wunsch derzeit großartige und beliebte Hits von jungen Künstlern und etablierten Kollegen, in seinem Stil, so wie ihn das Publikum seit 60 Jahren liebt, neu aufzunehmen. Und diese Mischung aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne kann sich durchaus sehen lassen. Ein nicht risikoloses Experiment, das letztendlich aber zu überzeugen weiß.

Peter Kraus: Zeitensprung von der 50ern in die Neuzeit

Peter Kraus wagt sich unter anderem an den Rap-Song „Lila Wolken“ von Marteria, Yasha & Miss Platnum, der bereits für den Echo nominiert wurde. Mit dem typischen Charme der 50er und 60er- Jahre interpretiert Peter Kraus den Song auf hervorragende Art und Weise. „Nur noch kurz die Welt retten“ von Tim Benzko und „Applaus, Applaus“, im Original von den Sportfreunden Stiller, könnten ungehört im letzten Jahrtausend entstanden sein, denn das, was Peter Kraus dort singt, passt einfach in die damalige Zeit. Man merkt Peter Kraus an, dieser Mann hat Spaß an dem, was er da macht. Er schätzt die Lieder und die Interpreten der heutigen Zeit, versucht sie erst gar nicht zu imitieren, sondern setzt auf den Sound der ihn damals bekannt gemacht hat und eine ganze Generation in den Wahnsinn trieb.

Peter Kraus


Bei Liedern wie „Ein Herz kann man nicht reparieren“ von Kultrocker Udo Lindenberg , „Hamma“ der Hip-Hop-Musikgruppe Culcha Candela  oder „Emanuela“ sieht man den „deutschen Elvis“, wie Peter Kraus zu Beginn seiner Karriere genannt wurde, vor dem inneren Auge mit Hüftschwung und auf den Knien über die Bühne rocken. „Gib mir Sonne“ von Rosenstolz, zeigt den Mann mit der damaligen Elvis-Tolle dann von seiner leidenschaftlichen, emotionalen Seite. Viele seiner (weiblichen) Fans werden, genau wie damals, dahinschmelzen, wenn der 75-Jährige über die Liebe und das Licht singt.

Peter Kraus im Duett mit Helene Fischer

Auch aktuelle und große Schlagerhits interpretiert Peter Kraus auf der CD „Zeitensprung“ in seinem ganz eigenen Stil. Ob „Jugendliebe“ oder „Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeih´n“, es passt einfach, wenn Kraus mit seiner rockigen Stimme diese Hits zum Besten gibt. Ein Highlight des Albums ist sicherlich das Duett mit Helene Fischer und ihrem Lied: „Wär heut´ mein letzter Tag“. Der Star der 50er und 60er-Jahre und die Königin des deutschen Schlagers der Neuzeit sind musikalisch voll auf einer Wellenlänge. Hört man die Beiden verliebt ihren Song singen, wünscht man sich unmissverständlich, dass dies musikalische Experiment weitere Früchte tragen wird. Fortsetzung? Aber gerne!

Peter Kraus: das Beste kommt zum Schluss

Ein wenig Wehmut kommt beim Hörer auf, wenn Peter Kraus in dem Lied „Sag beim Abschied rockig Servus“, sein Leben nochmals Revue passieren lässt. Er erinnert an die „Halbstarken“, an Bluejeans, Tutti Frutti und wilde Zeiten. Aber er deutet auch darauf hin, dass noch lang nicht Schluss sein muss, wenn es heißt: „Und jetzt lang ich nochmal hin, pfeif auf 75 plus, denn das Beste kommt zum Schluss“.

Hoffen wir, dass Peter Kraus seine Abschiedsgedanken doch noch einmal überdenkt, denn ein bärenstarker Peter Kraus, wie er auf diesem Album zu hören ist, gehört nach wie vor zu den ganz Großen der Branche. Dieses Album, von dem Peter Kraus selbst sagt, es sei das Beste seiner ganzen Karriere, wird ein Stück Musikgeschichte schreiben und gehört in jede CD- und Plattensammlung begeisterter Liebhaber neuer Songs mit dem gewissen Peps der 50er und 60er-Jahre!

Quelle: Schlagerportal.com/CK
Fotos: Electrola/Kraus und Perino