Kitzbühel Musikfestival 2018

02.05.2013 07:00:53

Monika Martin: „Ich mache Musik fürs Volk“

Foto: 
Schlagerportal.com

 

Im deutschsprachigen Raum gibt es nur wenige promovierte Schlager- oder Volksmusik-Sängerinnen. Eine von ihnen ist Dr. Ilse Bauer, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Monika Martin. Seit 1986 macht die in Graz geborene und auch dort lebende Künstlerin Musik, damals noch als Leadsängerin der österreichischen Tanzband „Heartbreakers“. Mit ihrem ersten Plattenvertrag folgte 1996 der erste Hit „La Luna Blu“ und katapultierte sie gleich in der österreichischen Vorentscheidung zum „Grand Prix der Volksmusik“ auf Platz 2.

Seither ist Monika Martin aus den Hitparaden und den großen Shows im Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Monika Martin ist mit Millionen verkaufter Tonträger eine unserer erfolgreichsten und beliebtesten Schlagersängerinnen. Mit dem Online-Musikmagazin SCHLAGERportal.com sprach Monika Martin über persönliche Gefühle, berufliche Erfüllungen und ihr neues Album „Hinter jedem Fenster“.

 

Monika Martin

Liebe Monika, dein neues Album „Hinter jedem Fenster“ ist gerade erschienen, was ist das Besondere daran?

Dieses Album ist das Aufregendste, was ich je gemacht habe. Ich muss vorausschicken, es ist mir nie so gut gegangen wie jetzt. Ich war noch nie so in meiner Mitte angekommen wie heute. Und ich habe mich in meinem Körper noch nie so wohl gefühlt wie jetzt. Alles, was im Innern passiert, drückt sich irgendwann zeitversetzt im Außen aus. Und als ich vor über einem Jahr ans Werk zu dieser CD gegangen bin, habe ich mir gedacht, sieben stille Jahre sind vorbei, jetzt kommen die sieben fetzigen Jahre, und ich möchte ein Album auf den Tisch legen, das durchaus nach wie vor Monika Martin ist. Denn die Stimme und die Person wird immer die Gleiche bleiben und auch der Inhalt von dem, dass ich etwas mitteilen will. Aber ich möchte auch Facetten ermöglichen, die einfach den Menschen diese Fröhlichkeit, dieses Glücklichsein und dieses ‚Einfach sich gut fühlen’ musikalisch auch jeden Tag sich anzuhören.

Mein neues Album ist wie ein musikalischer Adventskalender mit fünfzehn Türchen im Sinne von fünfzehn Liedern. Für jeden ist etwas dabei, wenn er das eine oder andere Fensterchen aufmacht und sich das Lied spielt, das er gerade für seine Stimmung und seine Lebenssituation braucht.

Es ist so, dass man gern in so manches Fenster in einem Haus blicken möchte, dieser Blick einem allerdings nicht ermöglicht wird. Ich hab’s selbst versucht, bin einmal voller Sehnsucht vor so einem Haus mit beleuchteten Fenstern stehen geblieben. Nicht lang, weil ich nicht mein ganzes Leben lang einer Sehnsucht nachlaufen möchte. Egal was passiert, man sollte es immer ins Positive wenden.

Es ist dein 19. Album, d. h. du hast bereits viel Erfahrung im Musikbusiness, ist es aber trotzdem immer wieder aufregend ein neues Album zu produzieren – wo fängt man da an?

Das Wichtigste ist, dass die Komposition und der Text höchste Qualität widerspiegeln. Denn, wenn die Basis nicht stimmt, hilft mir der beste Arrangeur nicht, denn das, was eine Komposition nicht hergibt, kann auch ein Arrangement nicht aufwiegen. Insofern ist es meine größte und erste Aufgabe, gute Kompositionen zu sammeln, und da hab’ ich in diesem Album das meiste selbst geschrieben und komponiert, weil ich für mich selber am besten weiß, was mir liegt und was mir gefällt. Und wo ich mich musikalisch wohlfühle.

Du hast mir einmal gesagt, deine Haarfarbe ist je nach Frisörbesuch,  jetzt hast du eine neue Frisur - warum gerade jetzt?


Vielleicht hat es auch mit meinem runden Geburtstag vom Vorjahr zu tun, vielleicht hat es mit einer gewissen Midlife Crisis zu tun, ich weiß es nicht. Aber ich hab’ einfach über die Zeit, die einem bleibt, nachgedacht. Ich möchte keinen Tag versäumen, ich möchte jeden Tag so leben, dass ich mir alles ermögliche, dass ich so richtig glücklich bin und es mir so richtig gut gehen darf. Ich bin darauf gekommen, der Mensch oder das, was mir am meisten im Wege steht, um zu meinem Glück zu gelangen, war immer ich selbst. Ich hab’ mir tausend Regeln auferlegt: Das muss ich noch machen, so kann man nicht, das gehört sich nicht. Ich habe alles vom Tisch gefegt, und ich darf so sein, wie mir im Augenblick zu Mute ist. Und wenn ich keine Lust habe, zum Friseur zu gehen, dann knete ich meine Haare selber, und es gibt irgendwie einen frischen Wind, und die Leute sprechen mich wirklich drauf an: Was ist mit Dir passiert, bist du frisch verliebt? Dann sage ich: Ich bin nach wie vor glücklicher Single, aber ich bin so richtig in mir!

Deine Lieder sind meist Geschichten – ist dir das wichtig, dass deine Lieder etwas erzählen?

Hand in Hand am Palmenstrand ist mir zu wenig, obwohl ich diese Sparte nicht angreifen möchte. Die darf auch sein in einer gewissen Oberflächlichkeit, wenn man richtig nichts denken oder nur schwelgen will – ist auch OK. Aber mir ist es nach wie vor wichtig, den Menschen etwas mit auf den Lebensweg zu geben und eine kleine Lebenshilfe sein zu dürfen. Ich hab da einfach in mein eigenes Leben geschaut, ist sehr viel Autobiographisches dabei, und ich denke mal, dass das eigene Leben, also das, was man selbst erlebt hat und das dann eben nacherzählt, die beste Quelle für dieses Vorhaben ist.

Monika Martin

In welches Musikgenre würdest du dich mit deiner Musik einreihen?

Es ist mir völlig egal, wie diese Musiksparte heißt, es gibt für mich da kein Schubladendenken: Ich singe nur Volksmusik, singe nur Schlager, Klassik oder Crossover - schön muss es sein! Wenn’s mir gefällt, ist es die beste Voraussetzung dafür, dass ich es gern singe. Und wenn ich was gern singe und tu, dann wird’s schön. Es ist völlig egal, wie man diese Sparte nennt. Ich habe da keine eigene Bezeichnung für meine Art von Musik. Wenn’s zu den Menschen kommt und das Herz berührt, und wenn es Menschen im Leben weiterhilft, dann hat das Ganze seine Sinnhaftigkeit schon erreicht.

Wenn man Popmusik übersetzt, heißt das ja Volksmusik, dann bin ich gern Volksmusik-Sängerin. Aber ich würde es vielleicht noch anders sagen: Ich mache Musik fürs Volk!“

Deine Songs haben alle sehr viel Gefühl, das braucht man auch zum Tanzen – tanzt du gerne?

Sehr gern, ich habe in einer Grazer Tanzschule alle Kurse, die möglich waren, bis zum Silber, Gold, Goldstar-Kurs besucht und das war richtig schön. Mit meinem tollen Tanz-Partner Gerry sind wir übers Parkett geschwebt. Ich bin auch schon zweimal für Dancing Stars vom ORF (deutsches Pendant zu „Let’s Dance“, Anm. d. Red.) angefragt worden, und wenn ich’s mit meiner Stimme nicht mehr schaff’, dann lasse ich es.

Du bist eine prominente Persönlichkeit und lebst in Graz, einer Stadt mit ca 300.000 Einwohnern – kannst du dich da noch frei bewegen?

Es kommt immer wieder vor, dass mich natürlich die Menschen ansprechen, aber das ist für mich wunderschön. Wenn das nicht so wäre nach siebzehn Jahren, die ich auf der Bühne stehe, dann hätte ich irgendwas falsch gemacht. Und wenn die Menschen mich anreden, wo immer sie mich treffen, dann freue ich mich. Ich bin Menschenfreund, und ich gehe gern auf Menschen zu. Und wenn sie mir Rückmeldungen geben, dass ihnen das eine oder andere Lied von mir geholfen hat, dann sage ich, ‚Um Gottes Willen, geholfen haben Sie sich schon selber, aber ich durfte vielleicht begünstigend beitragen.’

So Kurzgespräche sind so schön, so gut und so wichtig, dass ich so was von meinem Publikum gesagt bekomme, sonst wüsste ich ja nicht, ob es passt oder nicht passt. Und ich hoffe nur, dass dieses Album nicht zu wild ist. Aber ich habe meine Nachbarin gefragt, die ist 78, ob es zu wild ist: ‚Nein’, hat sie gesagt, ‚ich war ja auch mal jung, was glaubst denn Du, und es ist schön, wenn Du auch jetzt mal diese Facette von Dir zeigst, weil, ich hab immer gewusst’, hat sie gesagt, ‚dass das auch in Dir ist.’ Und wer mich privat kennt, der weiß: Keine Party ohne Monika!

Quelle: Schlagerportal.com
Fotos: Schlagerportal.com