09.08.2014 07:00:09

G.G. Anderson: „Ich glaube an Gott“

G.G. Anderson
Foto: 
Manfred Esser

 

G.G. Anderson- dieser Name steht seit 30 Jahren für wunderschöne Lieder und Balladen, für gelebte Träume und eine besondere Fan-Nähe. Nie hat G.G. Anderson dabei den Boden unter den Füßen verloren. Auch sein neues Album „Die Sterne von Rom“ wird sich garantiert in der Reihe seiner großen Hits, wie „Mädchen, Mädchen“, „Sommer, Sonne, Cabrio“ oder „Sommernacht in Rom“ einfinden. In einem großen Interview mit SCHLAGERportal.com verrät der beliebte Schlagerstar, den wir in Kitzbühel angetroffen haben, welche besondere Beziehung er zu Rom hat, dass er sich durchaus vorstellen kann neben Dieter Bohlen in der DSDS-Jury zu sitzen und wie er - nach mehreren Schlaganfällen - sein Leben verändern will.

 

G. G. Anderson

Lieber G.G., du hattest vor kurzem zwei Schlaganfälle. Um alle deine Fans zu beruhigen, wie geht es dir heute und was sind deine Lehren aus diesem „Schuss vor den Bug“? Eventuell auch kürzer zu treten?

Danke der Nachfrage. Es geht mir erstaunlich gut. Klar, es war ein Riesenschock für mich, wenn du plötzlich Sprachstörungen hast oder die Hand taub ist. Ich war aber schon innerhalb von 10 Minuten im Krankenhaus, wo es sich rasch gebessert hat. Dadurch ist mir sicherlich das Schlimmste erspart geblieben. An diesem Tag wurde aber auch festgestellt, dass ich vorher bereits 8-10 Schlaganfälle hatte, die ich aber bewusst gar nicht bemerkt hatte. Auslöser war wohl ein erhöhter Cholesterinspiegel. Natürlich habe ich sofort reagiert. Ich hab natürlich erstmal alle Termine abgesagt, aufgehört zu rauchen, trinke keinen Alkohol mehr und gehe jeden Abend sehr früh ins Bett. Ich versuche es ruhiger angehen zu lassen.

Dein neues Album heißt „Die Sterne von Rom“ - was können deine Fans von diesem Album erwarten?

Ein sehr frisches und modernes Album. Für Fernwehthemen, wie Bahia, Santa Monica oder eben Rom haben wir hier eine besondere Plattform geschaffen. Man kann alle 14 Titel in einem Rutsch komplett durchhören, was mir sonst eher seltener gelingt. Ich habe einfach ein gutes Gefühl, wenn ich die Lieder höre und bin echt gespannt, wo wir in den Charts landen werden.

Die Stadt Rom scheint es dir ja besonders angetan zu haben. Denn nach „Sommernacht in Rom“ lässt du jetzt „Die Sterne von Rom“ funkeln. Was ist für dich die besondere Faszination dieser Stadt?

Rom hat mir schon vor 30 Jahren sehr viel Glück gebracht, in dem ich 1985 mit „Sommernacht in Rom“ die ZDF-Hitparade gewonnen habe. Ich bin total begeistert von der Stadt. Für das neue Album haben wir hier auch Videos gedreht. Es ist schon toll, wenn ich auf der Spanischen Treppe singe und selbst italienische Landsleute mitklatschen und mich ansprechen, dass sie zwar den Text nicht verstehen, aber schon die Melodie so wunderschön wäre. Wenn du dann von einem Berg hinab schaust auf die pastellfarbene Stadt mit ihren kleinen Türmchen und großen Kirchen, dann ist das einfach ein erhebendes Gefühl.

 

G.G. Anderson: Ich bete jeden Abend

 

Nirgends ist man sicherlich dem „Himmel so nah“ wie in der Heiligen Stadt. Bist du gläubig?
 
Ich bin zwar nicht mehr in der Kirche, aber ich glaube an Gott und bete jeden Abend. Ich kann, egal wo ich bin, an keiner Kirche vorbeigehen. In Rom war ich natürlich im Petersdom und habe auch Papst Franziskus auf dem Petersplatz bewundern dürfen. Hunderttausende feiern diesen Mann wie einen Pop-Star. Ein wirklich besonderes und tolles Gefühl.

In einer Pressemitteilung hast du gesagt, dass du vor der Veröffentlichung dieses Albums sehr aufgeregt bist, dich wie ein Kind vor der Konfirmation fühlen würdest. Ist das nach 50 Jahren im Showbiz tatsächlich noch so?

Naja, ich finde, dass ich erst seit 30 Jahren im Showbusiness tätig bin. Die Zeit davor, war meine Zeit, eine geile Zeit, in der ich mich in meinen Bands ausgelebt und jede Menge Erfahrungen gesammelt habe. Sex, Drugs und Rock´n Roll- das war halt damals so. Dieses Album ist einfach das Baby von Engelbert Simons und mir. Es tut gut, wenn du von Fans und Freunden bestätigt wirst. Natürlich macht es mich stolz, wenn die CD „Die Sterne von Rom“ gut ankommt und auch gut verkauft wird.

Der Schlager erlebt, nicht zuletzt durch die Castingshow-Teilnehmer Beatrice Egli, Norman Langen oder Vanessa Neigert einen neuen Boom. Was hältst du persönlich von Shows wie DSDS? G.G. Anderson neben Dieter Bohlen in einer Jury - vorstellbar für dich?

Na klar ist das für mich vorstellbar! Bisher hat Dieter Bohlen aber noch nicht gefragt. Das sollte er mal tun, da ich mit Sicherheit Ahnung von der Materie habe. Ich kann sicher erkennen, ob da jemand steht, der Qualität und Ausstrahlung besitzt und dazu noch singen kann. Stell dir vor, man macht so eine Castingshow und dann steht da so eine Helene Fischer, da flippt man ja aus. Ich finde diese Formate gut. Für junge Menschen ist das doch wie ein Strohhalm. Wir hatten damals die Hitparade, Schlagerparade und konnten überall auftreten. Leider gibt es diese Möglichkeiten heute nicht mehr und deshalb unterstütze ich diese Castingformate. Wenn ich heute 18 Jahre alt wäre und man mir sagen würde, dass ich dort hingehen sollte, dann würde ich das garantiert auch tun und versuchen möglichst weit zu kommen.

 

G.G. Anderson: Ich hatte einfach einen immensen Stress


 

Dein Freund und Weggefährte Wilfried Gliem von den Wildecker Herzbuben, die in deiner Begleitband angefangen haben und die du nun zu ihren 25. Bühnenjubiläum nochmals produziert hast, sagtezu SCHLAGERportal.com ganz klar, dass du immer harmonisch und ausgeglichen und für ihn der größte deutsche Interpret bist. Was sagst du zu solch einem Kompliment?

Es ist faszinierend wenn ein Mann, der so viel Ahnung hat, wie der Wilfried sagt, dass ich der beste Interpret Deutschlands sei. Das geht runter wie Öl. Ich fühle mich sehr geehrt. Ausgeglichen? Das meint er nicht wirklich ernst, ich bin ein total hibbeliger Bruder. Gut, gerade jetzt nach den Schlaganfällen versuche ich natürlich möglichst schnell herunterzukommen, ruhig zu bleiben und mit Wanderungen oder Spaziergängen zur inneren Ruhe zu finden. Ich hatte einfach einen immensen Stress.

 

G.G. Anderson: Karel Gott und Tony Christie sind absolute Profis

 

Du hast unter anderem für Mireille Mathieu, Rex Gildo, Axel Becker, Andy Borg, Judith & Mel, Brunner & Brunner, die Paldauer, Tony Christie, Wildecker Herzbuben, Thomas Anders, Roland Kaiser und Engelbert Lieder geschrieben und produziert. Rückblickend: mit wem hast du besonders gerne zusammen gearbeitet?

Karel Gott und Tony Christie sind mir da besonders in Erinnerung geblieben. Die Beiden sind absolute Profis und exzellente Sänger. Die sitzen an ihrem Pult und die Aufnahme geht in einem Rutsch durch, da muss nicht lange nachgebessert werden. Ich liebe auch den unheimlichen Humor der Zwei. Wir haben wirklich bei den Aufnahmen viel gelacht. Auch über den Erfolg von „Schachmatt“ oder „Lieb mich ein letztes Mal“ von Roland Kaiser hab ich mich tierisch gefreut.

Gibt es sogar Freundschaften in der Branche?

Klar gibt es die. Ich bin mit Claudia Jung, Mary Roos, Nicole, Nino de Angelo, den Wildecker Herzbuben oder Bernhard Brink sehr gut befreundet. Und das sind nur wenige die mir jetzt spontan einfallen. Es gibt immer ein großes „Hallo“, wenn wir uns bei großen Schlagerevents treffen. Manchmal machen wir dann auch die Nacht zum Tag, was riesigen Spaß macht.

 

G.G. Anderson: Einmal mit Celine Dion auf der Bühne stehen

 

„Träume lügen nicht“ ist ein weiterer Titel auf deinem neuen Album? Welche Träume hat G.G. Anderson noch?

Mein größter Traum wäre es einmal mit Celine Dion in Las Vegas auf einer großen Bühne zu stehen und im Duett zu singen. Natürlich wäre ein Nummer-1-Hit auch ganz toll, obwohl ich auch mit einer niedrigeren Platzierung zufrieden wäre. Außerdem möchte ich gerne die Welt sehen. Das ist allerdings sehr schwierig für mich, da ich Flugangst habe. Ich träume davon diese Angst zu überwinden, einfach in ein Flugzeug zu steigen und in kürzester Zeit an den schönsten Orten dieser Welt zu sein.

Ein kluger Kopf hat mal gesagt: „Hinter einem starken Mann steht auch immer eine starke Frau.“ Würdest du diese These unterstützen?

Kurze Antwort: Das stimmt so komplett!

Was glaubst du, was macht G.G. Anderson in 10 Jahren?

Ach Gott, dann bin ich 74. Da bereite ich mich auf meinen Abgang vor. Ich hab mir überlegt, dass 75 eigentlich ein gutes Alter ist um sich zurückzuziehen und seinen Lebensabend zu genießen. Wenn ich dann noch lebe! Toi, toi, toi. Ich bewundere die Kondition, u.a. von Udo Jürgens, der ist kurz vor der 80 und begeistert sein Publikum. Das ist doch genial. Trotzdem, ich denke in 10 Jahren mit 75 lass ich es deutlich ruhiger angehen.

Lieber G.G.- vielen Dank für das tolle und kurzweilige Interview und deine offenen Worte!

Ich danke auch und grüße alle SCHLAGERportal.com-Leser ganz herzlich. Bitte bleibt gesund, passt auf euch auf und hört doch mal in mein neues Album rein. Das würd mich sehr freuen! Ich wünsch euch eine geile Zeit! Hurra! Euer G.G.

Quelle:Schlagerportal.com/CK
Foto: Telamo/Manfred Esser