Andy Borg: „Ich bin eine Zicke!“

Andy Borg
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Andy Borg - im Interview mit SCHLAGERportal hat der erfolgreiche Schlagersänger, Moderator und Publikumsliebling verraten, warum er sich selbst als Zicke bezeichnet. „Cara Mia“ heißt das aktuelle Platz 1  Album von Andy Borg, einige der neuen Titel stammen aus seiner eigenen Feder. Wann und wo er diese schreibt, warum er mit seiner Birgit so gut harmoniert und ob der ehemalige Musikantenstadl-Moderator auch wieder eine eigenen TV-Show moderieren würde, erfährt man im aktuellen Andy Borg Interview.

Lieber Andy, „Cara Mia“ heißt dein neues Album - was ist das charakteristische dieser CD?

Dass es genauso ist wie die anderen Alben die ich bisher gemacht habe, nämlich typisch, typisch Andy Borg und genau das, was ich unter deutschem Schlager verstehe.

Andy Borg und seine Cara Mia

Deine persönliche „Cara Mia“ heißt ja Birgit - wie gelingt es euch so ein harmonisches Paar abzugeben?

Glück, das ist ein Lotto-Zwölfer nicht nur ein Lotto-Sechser. Man kann sich nicht bemühen glücklich zu sein, man kann sich nicht bemühen jemand Richtigen zu finden. Das ist eine Glücksache! Bei mir hat es ja schon angefangen wie ich in der Semmelweis Klinik auf die Welt gekommen bin, am 2. November 1960. Da habe ich meine Eltern kennen gelernt und gedacht: ´Die sind gar nicht zwider – da bleib ich´. (grinst) Das war das 1. Glück! Ich weiß nicht warum mich da jemand so belohnt.

Birgit und du arbeitet und lebt zusammen - wie gut lässt sich das kombinieren?

Also es wäre fatal wenn die Birgit künstlerisch angehaucht wäre. Und es wäre eine Katastrophe wenn ich dieses Organisationstalent hätte das die Brigit hat. Da täten wir uns im Weg sein. Wir sind, was unseren Arbeitsbereich betrifft, so weit von einander entfernt:  ich vergesse Termine, Birgit denkt daran.

Neue Andy Borg Songs

Auf dem neuen Album hast du einige Titel selbst geschrieben, wie entstehen deine eigenen Lieder?

Ich muss dazu sagen: ´ich habe das ja nicht gelernt´. Ich denke mir ja die Lieder aus, andere komponieren die. (schmunzelt) Meine Lieblingslieder die ich geschrieben habe, sind immer in einer emotionalen Hochzeit, ob das jetzt negativ oder positiv war, entstanden. Ich setze mich natürlich daheim manchmal hin vors Klavier und probiere etwas – aber das schmeiße ich dann wieder weg, ist für die Tonne.

Wann schreibst dann am liebsten, muss dich die Muse küssen?

Ja, wenn ich das wüsste, würde ich mich ja in diese Situation versetzen und dann ein Lied komponieren! Ein Lied habe ich z.B. geschrieben, da war ich in Porec unterwegs auf einer Fan-Reise und Birgit und ich hatten noch ein bisserl Zeit und sitzen am Balkon. Da ist mir „Santa Maria“ eingefallen. Ich wollte aber den Titel nicht, weil das hat ja der Roland Kaiser schon gesungen. Dann habe ich aber trotzdem weitergemacht, die Melodien und den Text fertig gemacht. Ich war dann so begeistert von dem Lied, dass ich den Titel nicht mehr geändert habe und mir gesagt habe: ´Der Christoph Kolumbus hat auch schon eine Santa Maria gehabt´. (Schmunzelt wieder)

Wie ist der Titel „Das hast du jetzt davon“ entstanden?

Das ist von Stefan Fuchs, der hat das Buch vom Musikantenstadl geschrieben. Ist auch privat sehr gut mit mir befreundet. Ich habe gesagt ich möchte gerne ein Lied für die Mütter machen, aber nicht dieses: „Mama…“ (singt). Darum habe ich gesagt: ´Schreib mir einmal etwas, was zu mir passt.´ Und da ist herausgekommen: „Das hast du jetzt davon“!

Sein Lieblingslied auf dem neuen Album!

Gibt es auch das Lieblingslied von Andy Borg auf „Cara Mia“?

Ja! Da werden jetzt einige tief atmen. Ich habe ein Lied geschrieben, wir sind ja Italien-Fans und sehr gerne in Florenz, und das Lied heißt: „Über den Dächern von Florenz“. Das Lied fängt null acht fünfzehn an. Die 1. Strophe ist so: die haben sich da verliebt in Florenz, er hat ihr einen Antrag gemacht und dann haben sie gesagt: ok aber dann heiraten wir auch in unsere Stadt in Florenz. Ein Jahr später, alle Freunde sind da… Ich habe das Lied schon fertig gehabt und dann denke ich mir: ich will nicht dass dieses schöne Lied so aufhört wie 3 Trillionen deutsche Schlager – also Happy End. Und habe das Lied dann umgedreht. In der 2. Strophe stellt sich heraus, dass sie schon vor der Kirche steht im weißen Brautkleid und auf dem Weg zu ihr holt ihn ein Engel… und über den Dächern von Florenz weinen die Glocken und begleiten ihn auf seinem letzten Weg.

Das heißt du bist der Meinung ein guter Schlager braucht nicht zwingend ein Happy End?


Ja, ich habe ihn am Album - das ist der Beweis! Ob das jemanden gefällt sei dahin gestellt. Ich habe mir selbst ein Ei gelegt, denn ich habe die Nummer schon fertig gehabt und habe mir gedacht die mache ich nochmals auf. Du hast ja nur ein paar Takte Zeit eine Geschichte zu erzählen, und das dann so zu formulieren, dass es nicht kitschig ist, oh… Und dann bin ich eine Zicke geworden, was Text und Melodie betrifft.

Was hast du gerade gesagt, du bist eine Zicke geworden?

Ja absolut! Früher, wenn mir jemand ein Lied geschickt hat und es hat mir gefallen, habe ich es genommen. Und heute höre ich es mir drei Mal an, ob ich mir sicher bin, dass es mir gefällt. (lacht)

Ok, du meinst du bist kritisch!

Ja kritisch kann man auch sagen, genau! (lacht)

Mit „Cara Mia“ stürmte Andy Borg wieder die Charts!

"Cara Mia" hat in Österreich Platz 1 der Charts erreicht – macht dich das stolz, dass du auch nach dem Aus des Musikantenstadl immer noch so ungemein beliebt bist und du dich auf deine Fan-Gemeinde verlassen kannst?

Das kann ich gar nicht beschreiben, das war gar keine Freude mehr, denn das war schon drüber! Das war direkt schon melancholisch, weil dass ich da noch mitspielen darf, in meinem Alter. Weil die Jungen, die alle ganz etwas anderes machen, die das gut machen, mit Bewegung - die haben alle eine Choreografie. Die Helene Fischer fliegt durch die Stadien, 70.000 Leute drin. Und dann komm der alte Borg, der kleine dicke Wiener und singt „Sarah“ - habe ich ja beim Florian (AdR:  Silbereisen). Und während der Sendung auf einmal singen die Leute mit und ich denke mir: die kennen das schon, woher? Das berührt einen total und weißt warum: weil es bewusster ist. Als Junger nimmt man so vieles als selbstverständlich, da denkt man nicht darüber nach, das hat man einfach. Aber jetzt bin ich 56 und bin in Österreich eine Woche auf Platz 1 gewesen.

Deine Spontanität ist eine deiner vielen Stärken – kann man so etwas lernen? Du kannst aus jeder Situation das Beste machen!

Nein, das ist auch nicht wahr. Ok, ich bin Meister im Retten, weil ich halt schon viele Situationen erlebt habe. Ich war jetzt mit dem Julian David auf Kreuzfahrt – ist ein netter Bursch – und er hat mich mehrmals gefragt:  auf was er auf der Bühne achten soll? Da habe ich ihm gesagt: ´Schau bloß mir nicht zu, weil das bist nicht du. Du musst das zu ihnen sagen was du spürst. Und wenn etwas nicht gut ist, sage es auch. Und wenn du dich nicht wohl fühlst sag es ihnen´. Ehrlich währt am längsten, auch auf der Bühne. Ich werde auch oft gefragt, ob ich vor dem Auftritt noch nervös bin. Das muss ich ganz klipp und klar mit JA beantworten.

Andy Borg über seine Musikantenstadl Zeit!

Das kann ich mir bei dir lieber Andy echt nicht vorstellen, auch während deiner Musikantenstadl Zeit nicht.

Sogar beim Musikantenstadl bin ich vor der Sendung durch die Stadlwirtschaft gegangen, wo immer ganz viele Leute waren, und habe Schwiegereltern, Eltern und alle begrüßt, weil sonst wäre ich narrisch geworden in der Garderobe und mich hätte es zerrissen. Weil den Satz wollte ich noch umformulieren usw. Das kann man gar nicht beschreiben. Ich bekomme ja immer, bevor ich auf die Bühne gehe, von der Birgit ein Busserl, und beim Stadl auch. Und wenn du da raus gehst, du kennst dich selber nicht, du weißt nicht was mit dir passiert. Du lässt dich tragen von diesem Ereignis. Dir ist nicht bewusst, dass du vor 2 Minuten noch Kreuz weh gehabt hast, dass dir die Nase rinnt, das ist alles weg. Wir haben uns ja manches Mal selber Eier gelegt, weil wir für die Städte was anderes gesungen haben – nur ein paar Worte.

Wir bekommen immer wieder Anfragen, wann wird der Andy Borg endlich wieder eine eigene TV-Sendung bekommen?

Wenn ich es wüsste würde ich es dir sagen!

Würdest du es machen?

Wenn die richtige Fernsehsendung kommt natürlich. Ich bin zwar Schlagersänger aber nicht blöd. (lacht) Aber ich habe vorhin schon gesagt: ´ich bin eine Zicke´. Es muss schon passen, weil bevor ich mich da wieder in den Wind hineinstelle, weil es ist nicht einfach so eine Sendung zu machen. Nicht vom handwerklichen, sondern von dem ganzen drum herum, muss ich dir ja nicht erzählen. Ich suche eigentlich nicht nach einer Fernsehsendung, aber ich würde es machen. Das Publikum und ich, wir haben nur das Beste verdient. Ich will nicht in irgendeiner Scheune oder in einem Zelt etwas moderieren, was als Show betitelt wird. Das haben die Leute nicht verdient.

Quelle: Schlagerportal
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